Euer allbekanntes Schlagwort also: „Der Sohn ist ein Geschöpf“, ist nicht wahr, sondern bloß euer Hirngespinst, und auch von Salomo müßt ihr die Anklage hören, daß ihr oft auf ihn gelogen habt. Denn er hat ihn nicht ein Geschöpf genannt, sondern Zeugung und Weisheit Gottes, wenn er sagt: „Gott hat durch 189 seine Weisheit die Erde gegründet“ und: „Die Weisheit hat sich ein Haus gebaut“. Und auch die Stelle, die wir eben untersuchen, widerlegt eure Gottlosigkeit. Denn es steht geschrieben: „Der Herr schuf mich als Anfang seiner Wege für seine Werke“. Wenn er also vor allen Dingen ist, aber sagt: „Er schuf mich“, nicht damit ich die Werke vollbringe, sondern „für die Werke“, so ist entweder das „er schuf“ später als Er, oder er wird selbst später als die Werke erscheinen, wenn er sie in dem Augenblick, da er geschaffen wird, als schon vor ihm bestehend vorfindet, für die er ja auch ins Dasein tritt. Wenn aber dies der Fall ist, wie ist er dann noch vor allen Dingen? Und wie ist ferner alles durch ihn geworden und hat in ihm Bestand? Denn siehe, nach eurer Ansicht bestanden auch vor ihm die Werke, für die er geschaffen und abgesandt wird. Doch dem ist nicht so, ferne sei es! Falsch ist die Ansicht der Häretiker. Denn nicht ein Geschöpf, sondern Schöpfer ist das Wort Gottes. Damals aber sagt es sprichwörtlich: „Er schuf mich“, als er das geschaffene Fleisch anzog. Und auch das kann man wieder aus der Stelle selbst entnehmen. Denn da es Sohn ist und Gott zum Vater hat — seine eigene Zeugung ist es ja —, so nennt es gleichwohl jetzt den Vater einen Herrn, nicht weil es Knecht war, sondern weil es die Knechtsgestalt angenommen hatte. Denn es gehörte sich, daß es als das Wort aus dem Vater Gott seinen Vater nannte — denn das kommt dem Sohne dem Vater gegenüber zu —, und nachdem es gekommen war, das Werk zu vollenden und Knechtsgestalt angenommen hatte, den Vater seinen Herrn nannte. Auf diesen Unterschied hat es selbst mit feiner Unterscheidung in den Evangelien aufmerksam gemacht, wenn es sagt: „Ich preise Dich, Vater“, und dann: „Herr des Himmels und der Erde“. Es nennt also Gott seinen Vater, aber Herrn der Geschöpfe, so daß daraus klar erhellt, daß es damals den Vater Herrn genannt hat, als es das 190 Geschaffene anzog. Denn auch im Gebete Davids bringt der Heilige Geist denselben Unterschied zum Ausdruck, wenn er in den Psalmen sagt: „Gib deine Herrschaft deinem Knaben und errette den Sohn deiner Magd“. Denn ein anderer ist der naturhafte und wahre Sohn Gottes, und andere sind die Kinder der Magd, die ja die Natur der gewordenen Dinge hat. Deshalb hat auch der erstere als Sohn die väterliche Macht, die letzteren aber sind rettungsbedürftig.