Und es ging auch nicht an, daß unser Leben in einem andern gegründet wurde als in dem Herrn, der vor den Zeiten ist, und durch den auch die Zeiten entstanden sind, damit auch wir ewiges Leben erben könnten, so wie es in ihm war; denn Gott ist gut. Da er aber immer gut ist, so hat er dies gewollt, er, der unsere ohnmächtige Natur seiner Hilfe und Rettung bedürftig fand. Und wie ein weiser Baumeister, der sich vorgenommen hat, ein Haus zu bauen, zugleich mit sich zu Rate geht, wie er dieses Haus, falls es nach seinem Entstehen einmal auch Schaden litte, wieder erneuern könne und in Erwägung dessen Vorbereitungen trifft 228 und dem Werkmeister das zur Erneuerung notwendige Material verschafft, und so vor dem Aufbau des Hauses schon zu dessen Erneuerung die Vorbereitungen trifft, ebenso wird vor uns die Erneuerung unseres Heils in Christus grundgelegt, damit wir in ihm auch wieder geschaffen werden könnten. Der Ratschluß und der Vorsatz wurde vor der Zeit bereitet, das Werk aber ist geschehen, als das Bedürfnis es erheischte und der Heiland ankam. Denn der Herr selbst wird im Himmel die Stelle aller vertreten, indem er uns ins ewige Leben aufnimmt.
Das reicht nun hin zum Erweis dessen, daß das Wort Gottes nicht ein Geschöpf ist, und daß vielmehr die Stelle einen richtigen Sinn hat. Da aber die Stelle bei der Untersuchung in allweg einen richtigen Sinn ergibt, so hat man also diesen Sinn auch anzugeben. Vielleicht bringen viele Stellen den Unverständigen eine Beschämung. Wir brauchen aber wieder, was wir bereits gesagt haben. Es handelt sich nämlich im Vorliegenden um dasselbe Sprichwort und dieselbe Weisheit. Nicht hat das Wort gesagt, es sei von Natur ein Geschöpf, sondern in den Sprichwörtern hat es gesagt: „Der Herr schuf mich“, und offenbar deutet er einen gewissen Sinn an, freilich nicht offen, sondern nur verhüllt, den auch wir finden können, wenn wir von dem Sprichwort die Hülle wegnehmen. Denn wer kann die schöpferische Weisheit reden hören: „Der Herr schuf mich als Anfang seiner Wege“, ohne sogleich nach dem Sinn zu forschen und nachzusinnen, wie die schaffende erschaffen werden könne? Wer fragt, wenn er den eingeborenen Sohn Gottes sagen hört, er werde als Anfang Wiege erschaffen, nicht nach dem Sinn und wundert sich, wie der eingeborene Sohn Anfang vieler anderer werden könne? Ein Rätsel liegt vor. „Der Verständige aber“, heißt es, „wird eine Parabel und dunkle Reden, Sprüche und Rätsel von Weisen verstehen“.