Wann nun übernahm er die Werke, um sie zu vollenden, ihr Gottesfeinde? Denn daraus wird man auch den Sinn des Ausdrucks „er schuf“ erkennen. Sagt ihr nun „im Anfang“, als er sie aus dem Nichtseienden ins Dasein setzte, so ist das eine Lüge; denn die waren noch nicht entstanden. Er spricht aber offenbar, wie wenn er die bereits bestehenden Werke empfinge. Es geht aber auch nicht an, die Zeit anzugeben, die der Menschwerdung des Wortes vorangeht, damit nicht seine Ankunft alsdann überflüssig erscheine; denn um ihretwillen erfolgte ja die Ankunft, Es bleibt also nur mehr die Behauptung übrig, daß er damals die 214 Werke empfing, als er Mensch geworden ist. Denn damals vollendete er sie auch, da er unsere Wunden heilte und uns die Auferstehung von den Toten gewährte. Wenn aber damals dem Worte die Werke gegeben wurden, als es Fleisch geworden ist, dann wird es offenbar auch damals für die Werke geschaffen, als es Mensch geworden ist. Nicht also deutet der Ausdruck „er schuf“ auf seine Substanz hin, wie schon oft gesagt worden ist, sondern auf seinen leiblichen Ursprung. Denn weil die Werke infolge der Übertretung unvollkommen und verstümmelt worden sind, heißt es jetzt von ihm, es werde dem Leibe nach geschaffen, damit es diese Werke vollkommen mache und unversehrt wiederherstelle, und die Kirche dem Vater so darstelle, wie der Apostel gesagt hat, nämlich „ohne Makel, ohne Runzel oder etwas dergleichen, sondern daß sie heilig und unbefleckt sei“. Es ist also in ihm das Menschengeschlecht vervollkommnet worden und wurde wieder so hergestellt, wie es auch im Anfang gewesen war oder vielmehr mit noch größerer Gnade. Denn wenn wir von den Toten auferstanden sind, fürchten wir den Tod nicht mehr, sondern wir werden in Christus immer im Himmel herrschen. Das aber ist geschehen, weil das eigene und aus dem Vater stammende Wort Gottes selbst das Fleisch anzog und Mensch geworden ist. Denn wenn es als Geschöpf Mensch geworden wäre, dann wäre der Mensch nichtsdestoweniger geblieben wie er war, nämlich ohne Verbindung mit Gott. Denn wie hätte es als Geschöpf durch ein Geschöpf sich mit dem Schöpfer verbinden können? Oder was für eine Hilfe hätten ähnliche Wesen von ihresgleichen erwarten können, wenn doch auch sie derselben Hilfe bedurften? Wie aber vermochte das Wort, wenn es ein Geschöpf war, das Urteil Gottes aufzuheben und die Sünden nachzulassen, da doch geschrieben steht bei den Propheten, daß dies Sache Gottes ist? „Denn welcher Gott ist wie Du, der Du die Sünden wegnimmst und über die Missetaten hinweggehst“. Denn Gott sprach: 215 „Du bist Erde und wirst zur Erde zurückkehren“. Die Menschen aber sind als Sterbliche entstanden. Wie wäre da möglich gewesen, daß die Sünde von den entstandenen Wesen wäre hinweggenommen worden? Vielmehr hat sie der Herr selbst weggenommen, wie er gesagt hat: „Wenn auch der Sohn nicht befreit“. Und es hat der Sohn, der euch frei gemacht hat, in Wahrheit gezeigt, daß er kein Geschöpf noch auch eines von den gewordenen Wesen ist, sondern das eigene Wort und Bild der Substanz des Vaters, der auch im Anfang das Urteil gesprochen hat und allein die Sünden nachläßt. Denn da im Worte ausgesprochen ist: „Du bist Erde und wirst zur Erde zurückkehren“, so ist folgerichtig durch das Wort selbst und in ihm die Freiheit und die Aufhebung des Verdammungsurteils eingetreten.