Die Ausdrücke „er schuf“ und „er bildete“ und „er setzte ein“ haben also denselben Sinn und weisen nicht auf einen Anfang seiner Existenz noch auch darauf hin, daß seine Substanz geschaffen sei, sondern auf die Erneuerung, die nach seiner Huld an uns bewirkt wurde. Wenn er also auch so sich ausdrückte, so lehrte er gleichwohl, daß er auch vordem bestand, da er sagte: „Ehe Abraham ward, bin ich“ und: „Da er den Himmel bereitete, war ich dabei“ und: „Ich war bei ihm ordnend“. Wie er aber war, ehe Abraham wurde, Israel aber nach Abraham entstanden ist, und er offenbar früher bestand und erst später gebildet wurde, und die Bildung nicht den Anfang der Existenz, sondern die Menschwerdung bedeutet, in der er auch die Stämme Israels zusammenführt, so ist er also, da er immer mit dem Vater besteht, selbst Bildner der Schöpfung, und offenbar sind die Werke später als er, und das „er schuf“ gibt nicht den Anfang seiner Existenz, sondern die an den Werken geschehene Heilsordnung, die er im Fleische getroffen hat, zu erkennen. Denn da er von den Werken verschieden oder vielmehr deren Schöpfer ist, so war es in der Ordnung, daß er auch ihre Erneuerung übernahm, um, unsertwegen erschaffen, alles in sich neu zu schaffen. Denn da er sagte: „Er schuf“, fügte er auch alsbald den Grund bei, wenn er „die Werke“ nannte, damit der Ausdruck „für die Werke geschaffen werden“, kund tue, daß er zu ihrer Erneuerung Mensch wurde. Und es ist dies die Art der göttlichen Schrift. Wenn sie nämlich von dem fleischlichen 194 Ursprung des Wortes redet, fügt sie auch den Grund bei, weshalb er Mensch geworden ist. Wenn aber das Wort selbst von seiner Gottheit spricht, oder wenn seine Diener sie verkünden, dann wird alles mit einfachen Worten in absolutem Sinne und ohne Beifügung eines Grundes ausgesprochen. Es ist nämlich der Abglanz des Vaters. Wie aber der Vater nicht aus irgendeinem Grunde ist, so darf man bei seinem Abglanz nicht nach einem Grunde forschen. „Im Anfang also war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“. So steht geschrieben, und das Warum steht nicht dabei. Wo es aber heißt: „Das Wort ist Fleisch geworden“, da gibt er auch den Grund an, weshalb es Fleisch geworden ist, indem er sagt: „Und er hat unter uns gewohnt“. Und wo der Apostel sagt: „Der, als er in der Gestalt Gottes war“, gab er wieder keinen Grund an, dagegen bei den Worten: „Er nahm Knechtsgestalt an“. Da fügt er nämlich bei: „Er erniedrigte sich bis zum Tode, ja bis zum Tode des Kreuzes“. Denn deshalb ist es auch Fleisch geworden und hat Knechtsgestalt angenommen.