Um also Zeugnis zu geben und für uns den Tod auf sich zu nehmen, die Menschen wieder zum Leben zu erwecken und die Werke des Teufels zu zerstören, ist der Heiland gekommen, und das ist die Ursache seiner Erscheinung im Fleische, Denn sonst hätte es keine Auferstehung gegeben, wenn nicht der Tod 196 eingetreten wäre. Wie aber wäre der Tod eingetreten, wenn er nicht einen sterblichen Leib gehabt hätte? Das hat auch der Apostel von ihm erfahren und gesagt: „Da nun die Kinder Fleisch und Blut gemeinsam haben, so hat auch er in ähnlicher Weise daran teilgenommen, damit er durch den Tod dem die Macht nähme, der des Todes Gewalt hatte, das ist der Teufel, und diejenigen erlöste, welche in der Furcht des Todes durch das ganze Leben der Knechtschaft unterworfen waren“. Und: „Denn wie durch einen Menschen der Tod, so auch durch einen Menschen die Auferstehung von den Toten“. Und wieder: „Denn was dem Gesetze unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt ward, das hat Gott [bewirkt], indem er seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches sandte und wegen der Sünde die Sünde im Fleische verdammte, damit die Rechtsforderung des Gesetzes in uns erfüllt werde, indem wir nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste“. Johannes aber sagt: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde“. Und wieder sagte der Heiland selbst: „Ich bin zu dem Gerichte in diese Welt gekommen, damit die sehen, welche nicht sehen, und die Sehenden blind werden“. Er ist also nicht seinetwegen, sondern um unseres Heils willen gekommen und, damit der Tod vernichtet, die Sünde gerichtet würde, die Blinden wieder sähen und alle von den Toten auferständen. Wenn er aber nicht seinetwegen gekommen ist, sondern unsertwegen, so wird er füglich nicht seinetwegen, sondern unsertwegen geschaffen. Wird er aber nicht seinetwegen, sondern unsertwegen geschaffen, so ist er doch nicht an sich ein Geschöpf, sondern nur, weil er unser Fleisch anzog, sagte er dies. Und daß die Schriften wirklich diesen Sinn haben, kann man von dem Apostel erfahren. Er sagt nämlich in 197 seinem Briefe an die Ephesier: „Der die in der Mitte stehende Scheidewand niedergerissen hat, die Feindschaft in seinem Fleisch, und das Gesetz der Gebote in Satzungen aufhob, damit er die zwei in sich zu einem neuen Menschen schaffe und Frieden mache“. Wenn aber in ihm die zwei geschaffen werden und sie in seinem Leibe sind, so erscheint er also, indem er die zwei in sich trägt, natürlich selbst als geschaffen. Denn er vereinigte die Geschaffenen in sich und war selbst in ihnen wie jene. Wenn aber die zwei in dieser Weise in ihm geschaffen wurden, so sagt er doch wohl passend: „Der Herr schuf mich“. Denn wie man von ihm, da er unsere Schwächen auf sich nahm, sagt, er sei schwach, obschon er selbst nicht schwach ist — er ist ja die Kraft Gottes —, und wie er Sünde und Fluch für uns geworden ist, obgleich er selbst nicht gesündigt hat, sondern weil er selbst unsere Sünden und unsern Fluch getragen hat, so mag er, wenn er uns in sich schafft, sagen: „Er schuf mich für seine Werke“, obschon er selbst kein Geschöpf ist.