Wenn sie aber ein albernes Geschwätz verführen wollen, weil er Knabe genannt wurde, so sollen sie wissen, daß auch Isaak Knabe Abrahams genannt und der Sohn der Sunamitin Knäblein genannt wurde. Natürlich nennt er, uns Knechten gleichgeworden, seinen Vater gleichfalls einen Herrn wie wir. Und dies hat er in seiner Menschenliebe getan, damit auch wir, die wir von Natur Knechte sind und den Geist des Sohnes empfangen haben, Mut gewinnen, den der Gnade nach Vater zu nennen, den wir von Natur zu unserem Herrn haben. Aber wie wir unsere natürliche Knechtschaft nicht in Abrede stellen, wenn wir den Herrn Vater nennen — denn seine Werke sind wir und „er hat uns gemacht und nicht wir“ —, so sollen sie, wenn der Sohn die Knechtsgestalt annimmt und sagt: „Der Herr schuf mich als Anfang seiner Wege“, die Ewigkeit seiner Gottheit nicht bestreiten und leugnen, daß er im Anfang das Wort war und alles durch dasselbe entstanden ist und alles in ihm geschaffen wurde. Die Stelle in den Sprichwörtern aber redet, wie gesagt, nicht von der Substanz, sondern von der menschlichen Seite des Wortes. Wenn es nämlich sagt, es sei für die Werke geschaffen, so will es offenbar nicht seine Substanz, sondern nur seine für die Werke getroffene Heilsordnung bezeichnen, was aber später liegt als die Existenz. 191 Denn was entsteht und gemacht wird, ist in erster Linie gemacht worden, damit es bestehe und existiere, und erst in zweiter Linie, damit es tue, was ihm das Wort befiehlt, wie man dies allenthalben beobachten kann. So wurde Adam geschaffen, nicht damit er arbeite, sondern damit er zunächst Mensch sei. Denn erst später erhielt er den Befehl zu arbeiten. Und Noe wurde nicht wegen der Arche geschaffen, sondern damit er zunächst existiere und Mensch sei; denn erst hernach erhielt er den Auftrag, die Arche zu bauen. Und bei einer speziellen Untersuchung wird man dieser Tatsache überall begegnen. So ist auch der große Moses zuerst Mensch geworden, und erst dann ist er mit der Führung des Volkes betraut worden. Es läßt also auch hier die Sache sich so denken. Denn du siehst, daß das Wort nicht geschaffen wird, um zu existieren, sondern: „Im Anfang war das Wort“, erst hernach wird es für die Werke und deren Anordnung gesendet. Denn auch bevor die Werke entstanden, war der Sohn immer. Und es war nicht erst nötig, daß er geschaffen werde. Als aber die Werke geschaffen waren und es hernach zu deren Wiederaufrichtung einer Veranstaltung bedurfte, da gab sich dann auch das Wort hin, herabzusteigen und den Werken gleich zu werden, was es uns mit dem Ausdruck „er schuf“ geoffenbart hat. Und durch den Propheten Isaias will es etwas Ähnliches zu verstehen geben, wenn es wiederum sagt: „Und nun spricht der Herr, der mich vom Mutterleib an zu seinem Knechte gebildet hat, um Jakob und Israel zu ihm zu versammeln; ich werde versammelt und verherrlicht werden vor dem Herrn“.