Da sie aber redend weiterfährt: „Als er den Himmel bereitete, war ich bei ihm“, so muß man wissen, daß sie das nicht sagt, als hätte der Vater nicht durch sie den Himmel oder die Wolken in der Höhe bereitet. Denn zweifellos wurde alles in der Weisheit geschaffen, und ohne sie entstand gar nichts. Vielmehr will sie das sagen: Alles ist in mir und durch mich entstanden. Da aber die Weisheit den Werken anerschaffen werden mußte, war ich wohl der Substanz nach beim Vater, prägte aber in der Herabkunft zu den entstandenen Wesen meine Gestalt den Werken entsprechend ein, so daß auch die ganze Welt, gleichsam Ein Körper, mit sich nicht zerfiele, sondern in sich ewig wäre. Alle also, die mit der ihnen verliehenen Weisheit geraden Sinnes die Geschöpfe betrachten, können gleichfalls sagen: „Durch Deine Anordnung bleibt alles“. Die aber dies vernachlässigen, werden hören müssen: „Während sie für weise sich ausgaben, wurden sie zu Toren“. Denn „was an Gott erkennbar ist, das ist unter ihnen offenbar, Gott offenbart es ihnen. Denn das Unsichtbare an ihm wird seit der Erschaffung der Welt in den Werken erkannt und geschaut, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, damit sie unentschuldbar wären. Denn nachdem sie Gott erkannt hatten, haben sie ihn nicht als Gott verherrlicht“, sondern „sie haben mehr das Geschöpf verehrt als den Schöpfer des Alls, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen“. Und Schande wird sie treffen, wenn sie hören: „Denn weil die Welt in der Weisheit Gottes“ — in der vorhin angegebenen Weise — „durch die Weisheit Gottes nicht erkannte, so gefiel es Gott, durch die Torheit der 234 Predigt die zu retten, die glauben“. Denn Gott wollte nicht mehr wie in früheren Zeiten durch Bild und Schatten der in den Geschöpfen befindlichen Weisheit erkannt werden, sondern er ließ die wahre Weisheit selbst Fleisch annehmen, Mensch werden und den Kreuzestod erleiden, damit durch den Glauben an das Kreuz von nun an alle Gläubigen gerettet werden könnten. Es ist also die Weisheit Gottes selbst, die zuvor durch ihr Bild in den Geschöpfen, um dessentwillen auch von ihr das Geschaffenwerden ausgesagt wird, sich offenbarte und durch sich ihren Vater. Später aber ist sie, die [auch] das Wort war, Fleisch geworden, wie Johannes gesagt hat, und nachdem sie den Tod vernichtet und unser Geschlecht gerettet hatte, offenbarte sie sich noch mehr und durch sich ihren Vater, wie sie sagte: „Gib ihnen, daß sie Dich, den einzig wahren Gott, erkennen und den Du gesandt hast, Jesum Christum“.