Wenn sie aber auch dem keinen Glauben schenken wollen, so sollen sie uns selbst sagen, ob wirklich eine Weisheit in den Geschöpfen ist oder nicht. Wenn nun eine solche fehlt, warum erhebt dann der Apostel Beschwerde mit den Worten: „Denn weil die Welt in der Weisheit Gottes Gott durch die Weisheit nicht erkannte“? Oder, wenn es keine Weisheit gibt, warum findet man dann in der Schrift eine Menge von Weisen? Denn: „Der Weise wendet sich in Furcht vom Bösen ab“ und: „Mit Weisheit wird Dein Haus gebaut“, Der Prediger aber sagt: „Die Weisheit des Menschen wird sein Antlitz erleuchten“ und er weist die Vorlauten zurecht mit den Worten: „Sag nicht: Wie kam es doch, daß die früheren Tage besser waren als die gegenwärtigen? Denn nicht in Weisheit hast du darum gefragt“. Wenn es aber eine solche gibt, wie auch der Sohn des Sirach bezeugt: „Er goß sie aus über alle seine Werke und alles Fleisch gemäß seiner Ausbreitung und gab sie denen, die ihn lieben“. Und wenn eine solche Ausgießung nicht ein Kennzeichen der Substanz der selbsteigenen und eingeborenen, sondern der in der Welt nachgebildeten Weisheit ist, klingt es dann so unglaublich, wenn die schöpferische und wahre Weisheit selbst, deren Abdruck die in der Welt ausgegossene Weisheit und Erkenntnis ist, wie ich schon vorhin bemerkt habe, gleichsam von sich selbst spricht: „Der Herr schuf mich für seine Werke“. Denn die Weisheit 231 in der Welt ist nicht schöpferisch, sie wird vielmehr in den Werken geschaffen, in der „die Himmel Gottes Herrlichkeit erzählen und das Firmament das Werk seiner Hände verkündet“. Wenn aber die Menschen diese in sich tragen, so werden sie zur Erkenntnis der wahren Weisheit gelangen und erkennen, daß sie in Wahrheit nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Wenn irgendein Königssohn, dessen Vater eine Stadt bauen will, seinen Namen auf jedes der entstandenen Werke eingraben ließe, um den Bestand der Bauwerke dadurch, daß auf jedem derselben sein Name erglänzt, sicher zu stellen und um mit dem Namen die Erinnerung an ihn und seinen Vater wachhalten zu können, so würde er nach der Vollendung auf eine Frage nach der Art und Weise der Entstehung der Stadt antworten: Sie ist in sicherem Zustand hergestellt. Denn nach dem Willen des Vaters ist jedem Werk mein Bild aufgedrückt; denn mein Name ist an den Werken angebracht. Mit diesen Worten wollte er aber nicht seine Substanz, sondern seinen Abdruck im Namen als geschaffen bezeichnen. In derselben Weise wie in diesem Beispiele antwortet denen, welche die Weisheit in den Geschöpfen bewundern, die wahre Weisheit: „Der Herr schuf mich für die Werke“. Denn der Abdruck von mir ist in ihnen, und ich habe mich so zur Erschaffung herabgelassen.