Doch vernehmen sollen die übrigen Häresien und die Manichäer, daß einer der Vater Christi ist, der durch sein Wort Herr und Schöpfer der Kreatur ist. Vernehmen sollen noch besonders die Ariomaniten, daß es ein einziges Wort Gottes gibt, das allein eigener und echter Sohn aus seiner Substanz ist und die unteilbare Einheit der Gottheit mit seinem Vater innehat, wie wir schon oft gesagt und vom Heiland vernommen haben. Denn wenn es nicht so ist, warum schafft durch dasselbe der Vater und offenbart sich in ihm allen, denen er will, und erleuchtet diese? Oder warum wird bei der Vollendung in der Taufe mit dem Vater der Sohn genannt? Denn die Antwort, der Vater genüge nicht, ist eine gottlose Rede; genügt er aber, und das sagt man mit Recht, wozu bedarf es dann des Sohnes zur Schöpfung oder zum heiligen Bade? Welche Gemeinschaft besteht zwischen Geschöpf und Schöpfer? Oder warum wird bei der Vollendung aller das Geschaffene mit dem Schöpfer zugleich aufgeführt? Oder warum wird nach eurer Ansicht der Glaube an einen Schöpfer und an ein Geschöpf überliefert? Denn wenn es geschieht, damit wir mit der Gottheit verbunden würden, wozu bedarf es dann des Geschöpfes? Wenn es aber geschieht, damit wir mit dem Sohne, einem Geschöpfe, vereinigt würden, dann ist nach eurer Ansicht die Nennung des Sohnes bei der Taufe überflüssig; denn Gott, der ihn zum Sohne gemacht hat, ist imstande, auch uns zu Söhnen zu machen. Überdies werden, wenn der Sohn ein Geschöpf ist und die vernünftigen Geschöpfe ein und dieselbe Natur haben, Geschöpfe von einem Geschöpf 176 keine Hilfe zu erwarten haben, weil alle der Gnade Gottes bedürfen. Einiges wenige haben wir nun schon früher darüber bemerkt, wie passend alles durch ihn entstanden ist. Da wir aber im Verlauf der Rede auch auf die heilige Taufe zu sprechen gekommen sind, so muß man meines Erachtens und nach meinem Dafürhalten sagen, daß nicht deshalb auch der Sohn mitgenannt werde, weil etwa der Vater nicht genügte, auch nicht so einfachhin und wie zufällig, sondern weil er Gottes Wort und eigene Weisheit ist und als sein Abglanz immer mit dem Vater besteht. Deshalb kann die Gnade, die der Vater verleiht, nur im Sohne gespendet werden; denn im Vater ist der Sohn wie der Abglanz in dem Lichte. Denn nicht als ob Gott bedürftig wäre, sondern als Vater hat er durch seine Weisheit die Erde gegründet und durch das aus ihm stammende Wort alles gemacht und bekräftigt im Sohne das heilige Bad. Denn wo der Vater ist, da ist auch der Sohn, wie auch da der Abglanz ist, wo das Licht. Und wie der Vater, was er wirkt, durch den Sohn wirkt und der Herr selbst sagt: „Was ich den Vater tun sehe, das tue auch ich“, so tauft bei der Erteilung der Taufe, den der Vater tauft, diesen auch der Sohn und, den der Sohn tauft, der wird im Heiligen Geiste eingeweiht. Und wie man wieder, wenn die Sonne scheint, sagen kann, daß auch der Abglanz leuchte — denn eines ist das Licht und es läßt sich nicht trennen noch teilen—, so muß da, wo der Vater ist oder genannt wird, jedenfalls auch der Sohn sein; bei der Taufe aber wird der Vater genannt, es muß also auch der Sohn mitgenannt werden.