§ 106
1. „Die“ also, „die sich mit den gottlosen Reden befassen und andere zum Glauben daran verleiten und auch die“ göttlichen „Worte nicht richtig, sondern völlig verkehrt verwenden“, kommen weder selbst in das Himmelreich, noch lassen sie diejenigen, die von ihnen in die Irre geführt worden sind, zur Wahrheit gelangen.
2. Aber sie haben auch selbst nicht den Schlüssel zu dem Eingang, sondern nur einen falschen Schlüssel und, wie man im gewöhnlichen Sprachgebrauch sagt, einen Nachschlüssel, mit dem sie nicht die Haupttüre aufschließen (das ist der Weg, wie wir durch die Überlieferung des Herrn hineinkommen) sondern sie sprengen nur eine Seitentüre auf und durchgraben heimlich die Mauer der Kirche, übersteigen die Schranken der Wahrheit und werden die Mysterienführer für die Seele der Gottlosen.
3. Denn daß die menschlichen Zusammenschlüsse, die sie veranstaltet haben, jünger sind als die allgemeine Kirche, davon braucht man nicht lang zu reden.
4. Denn die Lehrtätigkeit des Herrn während seines Daseins auf der Erde beginnt unter dem Kaiser Augustus und Tiberius und schließt mitten während der Regierungszeit eben dieses letzteren; die Tätigkeit seiner Apostel einschließlich des Wirkens des Paulus kommt zur Zeit Neros zu Ende, und erst später zu 110 den Zeiten des Kaisers Hadrianus sind die Begründer der Irrlehren aufgetreten und blieben bis zur Zeit des älteren Antoninus, wie es bei Basileides der Fall ist, wenn er auch als seinen Lehrer Glaukias bezeichnet, der, wie die Anhänger des Basileides selbst rühmen, der Dolmetscher des Petrus war. Ebenso behaupten sie auch, daß Valentinus den Theodas gehört habe; dieser war aber ein Schüler des Paulus gewesen.
§ 107
1. Denn Marcion, der zur gleichen Zeit mit ihnen lebte, verkehrte mit ihnen als ein älterer Mann mit Jüngeren. Nach ihm hörte Simon kurze Zeit Petrus predigen.
2. Da es sich so verhält, so ist es klar, daß diese später entstandenen und die der Zeit nach noch jüngeren Irrlehren gegenüber der ältesten und wahrhaftigsten Kirche Neuerungen und Fälschungen sind.
3. Aus dem Gesagten ist es, meine ich, doch wohl deutlich geworden, daß es nur eine Kirche gibt, nämlich die wahre und wirklich alte Kirche, in der die nach der Vorsehung Gerechten gesammelt werden.
4. Denn da es nur einen einzigen Gott und nur einen einzigen Herrn gibt, deshalb besteht das Lob auch dessen, was die höchste Ehre verdient, in seiner Einzigartigkeit, da es ein Abbild der einzigen Grundursache ist. Jedenfalls gehört die Einzigartigkeit zum Wesen der einen Kirche, während jene Leute sie mit Gewalt in viele Sekten zerreißen wollen.
5. Wir behaupten also, daß die alte und allgemeine Kirche ihrem Wesen, ihrem Begriff, ihrem Anfang und ihrer überragenden Bedeutung nach nur eine einzige ist. Sie sammelt „zu der Einheit eines einzigen Glaubens“, der auf den ihr entsprechenden Testamenten oder vielmehr auf dem einen zu verschiedenen Zeiten gegebenen Testament beruht, nach dem Willen des einen Gottes durch den einen Herrn diejenigen, die dem Glauben bereits zugeordnet sind, die Gott im voraus dazu bestimmt hat, da er vor Erschaffung der Welt erkannt hatte, daß sie gerecht sein würden.
6. Aber auch die überragende Bedeutung der Kirche ist, ebenso wie der Anfang ihres Entstehens, etwas Einzigartiges, da sie alles andere übertrifft und nichts hat, was ihr ähnlich oder gleich wäre.
§ 108
111 1. Darüber wollen wir auch noch später sprechen. Was aber die Sekten betrifft, so sind sie teils nach dem Namen ihrer Gründer benannt wie die Schule des Valentinus und des Marcion und des Basileides, wenn sie sich auch rühmen, die Anschauung des Matthias vorzutragen. Denn es hat nur eine einzige Lehre aller Apostel gegeben, ebenso aber auch nur eine einzige Überlieferung.
2. Andere Sekten sind nach einem Ort benannt wie die Peratiker, andere nach einem Volk wie die Sekte der Phryger, andere nach einem Verhalten wie die Enkratiten, andere nach eigenartigen Lehren wie die Doketen und die Haimatiten, andere nach Grundgedanken und dem, was sie verehrt haben, wie die Kaianisten und die sogenannten Ophianer, andere nach den gesetzwidrigen Handlungen, deren sie sich vermaßen, wie von den Simonianern die sogenannten Entychiten.