Gottes Huld verdankt er den Instinkt. Der Mensch das bevorzugte Kind der göttlichen Vorsehung.
§ 24
Der Igel, ein kleines, unscheinbares und verächtliches Tierchen ich spreche vom Seeigel pflegt den Schiffern künftigen Sturm anzuzeigen oder heiteres Wetter zu verkünden. So liest er denn, sobald er Sturmwind wittert, ein schweres Steinchen auf, führt es wie Ballast und schleppt es wie Anker mit sich, um nicht von den Fluten ausgeworfen zu werden. Nicht aus eigener Kraft also hält er sich im Gleichgewicht, sondern mit fremdem Gewichte bleibt er seiner mächtig und Herr. Das ist nun ein Fingerzeig, den die Schiffer als Zeichen auf künftigen Sturm deuten und demzufolge sie sich vorsehen, daß nicht der plötzliche Sturm sie unvorbereitet treffe. Welcher Mathematiker, welcher Astrologe oder welcher Chaldäer verstünde sich so genau auf der Gestirne Lauf, so genau auf die Bewegungen und Zeichen am Himmel? Woher die Fähigkeit zu solcher Beobachtung? Von welchem Lehrer stammt solches Wissen? Wer war der Vermittler so sicherer 186 Zeichendeutung? Menschen merken, wie die Luft sich verdichtet, und täuschen sich oft, indem dieselbe ohne Sturm den Flor teilt: Der Igel täuscht sich nicht, den Igel trügen nimmer seine Zeichen.
§ 25
Woher im kleinen Tierchen so großes Wissen, daß es Künftiges vorausverkünden kann? Je sicherer nichts in ihm vorhanden ist, was es zu so großer Einsicht befähigte, [umso sicherer] glaube, daß es auch der Huld des Herrn aller Wesen die Gabe dieses Vorauswissens dankt. Wenn Gott die Pflanze so herrlich kleidet, daß wir staunen, wenn er die Vögel nährt, wenn er „dem Raben Speise bereitet“ denn „seine Jungen schreien zum Herrn“ , wenn er den Frauen Einsicht verleiht in die Webekunst„, wenn er die Spinne, die so fein und verständig ihr weitmaschiges Gewebe an Öffnungen anbringt, an Einsicht nicht leer ausgehen ließ, wenn er dem Rosse die Kraft verlieh und von seinem Nacken die Furcht scheuchte, daß es auf dem Schlachtfelde kampffroh aufwiehert und Königen entgegensprengt und ihrer spottet, von ferne Schlachtenblut wittert, bei der Trompete Schall zu Mut sich entflammt: wenn die waltende Hand seiner Weisheit diese großenteils animalischen und teilweise nichtanimalischen Wesen wie die Pflanzen, wie die Lilien vollends ausstattete, wie dürften wir zweifeln, daß er auch in den Seeigel den Vorzug jenes Vorauswissens hineingelegt hat? Denn nichts entging seinem prüfenden Blicke, nichts seiner sorgenden Hand. Alles sieht er, der alles nährt; alles erfüllt er mit Weisheit, der alles mit Weisheit gemacht hat, wie geschrieben steht. Wenn er also dem Igel seine gnädige Heimsuchung nicht entzog, wenn er sein gedenkt und ihm die Zeichen des Zunünftigen deutet: soll er sein nicht gedenken? Ja, fürwahr, er ist deiner eingedenk, wie es seine göttliche Weisheit mit den Worten bezeugt: 187 Wenn er auf die Vögel niederschaut, “wenn er sie nährt, seid ihr nicht mehr als sie? „Denn wenn Gott das Gras des Feldes, das heute ist und morgen ins Feuer geworfen wird, also kleidet, wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen?“