Was die Luft für die übrigen lebenden Wesen, ist das Wasser für die Fische. Lungenund Kiemenatmung.
§ 10
173 Ein wie guter Mutterschoß aber das Wasser ist, das schließ auch aus Folgendem: Du, o Mensch, hast Enterbung der Kinder durch die Eltern, Verstoßung derselben, Haß und Mißgunst gelehrt: so lerne, wie innige Bande Eltern und Kinder verknüpfen sollen! Es können die Fische nicht ohne das Wasser leben, lassen sich nicht von der Verbindung mit ihrem Mutterelement trennen, nicht der Wartung ihrer Amme entreißen und sterben naturgemäß auf der Stelle, sobald sie davon getrennt werden. Sie fristen nämlich ihr Leben nicht wie alle sonstigen Wesen durch Luftatmung; sie bedürfen des natürlichen Einund Ausatmens nicht, sonst könnten sie ja nicht ständig ohne Luft zu schöpfen unter Wasser leben. Was für uns die Luft ist, das ist für sie das Wasser. Wie für uns die Luft, so ist für sie das Wasser das wesentliche Lebenselement. Wird uns die Luftzufuhr abgeschnitten, geht uns sogleich das Leben aus, weil wir nicht die geringste Zeit des Lebensodems entbehren können. So vermögen auch die Fische, wenn man sie aus dem Wasser nimmt, ohne ihr Lebenselement nicht zu existieren.
§ 11
Der Grund ist einleuchtend. Bei uns nimmt die Lunge Luft in das sich weitende Innere der Brust auf und dämpft mit der infolge ihrer großen Durchlässigkeit einströmenden Luft die innerliche Hitze. Wie nämlich die Brusthöhle die Nahrung aufnimmt, so sondert sie auch die überflüssigen Speisereste wie die der Gesundheit zuträglichen Säfte und das Blut aus: da nun wird die Lunge durchlässig, und die eingeatmete Luft vermag daher leichter dahin einzuströmen. Die Fische 174 hingegen haben Kiemen, die sie bald zusammenziehen und schließen, bald auseinanderziehen und öffnen. Mit diesem Schließen und Öffnen beim Aufnehmen, Hindurchleiten und Eindringen des Wassers scheint nun [bei ihnen] die Atmungsfunktion vor sich zu gehen. So haben denn die Fische ihre eigenartige Natur, die sie mit den übrigen Wesen nicht teilen, ihre besondere Lebensweise und ihr von den übrigen geschiedenes und abgesondertes Lebenselement. Sie werden darum nicht aufgenährt und empfinden auch nicht gleich den Tieren des Festlandes Ergötzen an der Streichelund Schmeichelhand des Menschen, ob sie auch wohlverwahrt in Behältern leben.