Deren einzigartige Pietät. Die Reinheit der Fortpflanzung innerhalb der gleichen Art: sie ist ein Protest ebenso gegen naturschänderische Bastardzüchtung wie gegen frevle Entmannung.
§ 7
Zahllos nun sind die Gepflogenheiten, zahllos die Arten der Fische. Die einen, wie jene größeren, gefleckten, die man Forellen nennt, erzeugen Eier und legen sie zur Ausbrütung ins Wasser. Das Wasser also gibt ihnen, gleichsam eine zärtliche Mutter der lebenden 171 Wesen, Leben und Dasein und vollzieht so heute noch die Aufgabe, die ihm jenes erstmalige Gebot wie ein dauerndes Gesetz übertragen hat. Andere Fischarten erzeugen lebendige Junge aus ihrem Leibe, wie die Meerottern und Seehunde und Walungeheuer, die Delphine und Robben und andere derartige Seetiere. Wenn nun diese, nachdem sie geboren, merken, daß etwa jemand ihre Jungen irgendwie gefährde und bedrohe, sollen sie, um dieselben zu schützen oder der zarten Brut mit mütterlicher Besorgnis die Angst zu beheben, den Rachen öffnen und die Jungen schonend zwischen die Zähne nehmen, sogar in ihr Inneres aufnehmen und im Mutterschoße bergen. Welche menschliche Liebe könnte es solcher Mutterliebe bei den Fischen gleichtun? Mit dem Kusse müssen wir uns begnügen; ihnen genügt er nicht; sie öffnen ihr Inneres, nehmen die Jungen wohlbehalten darin auf und dahin zurück, beleben sie gleichsam von neuem mit dem Hauche ihrer Wärme, kosen sie mit ihrem Odem und leben solange zu zwei in einem Leib, bis sie ihrer Brut entweder Sicherheit, oder aber im Bollwerk ihres Leibes Schutz vor Gefahren verschaffen. Wer wollte nicht angesichts dessen der so zärtlichen Liebe der Fische schonen, auch wenn er ihrer habhaft werden könnte? Wer würde nicht von Bewunderung und Erstaunen darüber ergriffen, daß die Natur bei den Fischen treu wahrt, was sie bei den Menschen nicht wahrt? Gar manche töteten aus Argwohn in stiefmütterlicher Gehässigkeit ihre heißersehnten Kinder, andere zehrten in Hungersnot, wie wir lesen, ihre eigene Leibesfrucht auf. Menschenlieblingen ward „die Mutter zum Grab“, der Fischbrut der Mutterschoß, der die Lieblinge mit seinen innerlichen Organen wie mit einem Walle unversehrt beschützt, zur Wehr.
§ 8
Es haben nun die verschiedenen Fischarten ihre verschiedenen Gepflogenheiten. Die einen erzeugen Eier, die anderen bringen lebendige und ausgestaltete Junge zur Welt. Und auch die Eiererzeugenden bauen 172 bauen nicht gleich den Vögeln Nester, unterziehen sich nicht der Mühe langwierigen Brütens und obliegen nicht unter eigener Entbehrung der Aufzucht. Das Ei tritt kaum aus und schon nimmt es das Wasser wie eine zärtliche Amme gleichsam in seinen Naturschoß und brütet es aus; denn das ist e i n Prozeß; kaum ist das Ei durch die Berührung des Männchens begattet, fällt es auch schon nieder und das Fischlein schlüßft aus.
§ 9
Ferner sodann: wie rein und unversehrt geht die Fortpflanzung vor sich! Kein Fisch geht mit einem fremden, sondern nur mit seinesgleichen die Vermischung ein, der Thymallus mit dem Thymallus, der Seewolf mit dem Seewolf. Auch der Drachenkopf wahrt die Lauterkeit unversehrter Verbindung mit seinesgleichen. Er teilt somit die Keuschheit mit seinem [Schlangen]Geschlecht, teilt aber nicht das Gift mit seinem Geschlecht; denn der Drachenkopf verwundet nicht, sondern mundet nur. So wissen denn die Fische nichts von unnatürlichen Verbindungen zwischen Angehörigen einer fremden Art, wie es jene zwischen Esel und Pferd sind, die von den Menschen mit großer Beflissenheit betrieben werden, oder wie es umgekehrt die Vermischungen zwischen Pferd und Eselin sind: wahre Schändungen der Natur. Denn ein größeres Vergehen ist doch sicherlich ein Handeln, das nur Entweihung der Natur denn zur Verletzung einer Person führt. Und das treibst du, Mensch, als Kuppler tierischer Unzucht und hältst den Bastard wertvoller als die echte Rasse. Du paarst fremde Arten, mischest ungleichartige Samen, zwingst Individuen sooft wider ihren Willen die verbotene Begattung auf: und das heißt du ‘wirtschaften’. Und weil du solches beim Menschen nicht treiben kannst, nimmst du ihm, um eine Zeugung aus dem Geschlechtsverkehrt mit Nichtseinesgleichen zu verhüten, was er von Geburt ist, raubst dem Manne die Mannbarkeit, hebst durch Verstümmelung eines Körpergliedes sein Geschlecht auf, machst ihn zum Kastraten: Frivolität soll am Menschen vollführen, wozu die Natur nimmer die Hand bot.