Ihre Metamorphose, wie der Farbwechsel des Chamäleons und des Hasen sowie der wiedererstehende Phönix Sinnbild und Beweis der Auferstehung. Der Geier als Totenvogel. Die Heuschrecke als Gottesgeißel, der Seleuzisvogel ihrer Plage Ende.
§ 77
Weil wir eben von den Vögeln reden, halten wir es nicht für unangebracht, das, was Geschichte oder 225 Augenzeugenberichte über die Seidenraupe anführen, hereinzubeziehen. Es soll diese Hornraupe erst die Form eines Blattstieles und dessen natürliche Beschaffenheit annehmen, sodann mehr und mehr zur Puppe sich fortentwickeln. Aber auch diese Form und Gestalt behält sie nicht bei, sondern scheint aus losen und breiteren Blättern Flügel anzunehmen. Von diesen Blättern kämmen [die Raupen] jene weichlichen Seidengewebe ab, welche die Reichen ausschließlich nur zu ihrem Gebrauch sich anmaßten. Darum auch des Herrn Wort: „Was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen mit weichlichen Kleidern angetan? Sieh, die weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige“.
Auch das Chamäleon soll seine Farbe wechseln und sobald dieses, bald jenes Aussehnen vorspiegeln. Zweifellos sicher nehmen die Hasen, wie wir es aus unserer nächsten Nähe leicht beobachten können, im Winter eine weiße Farbe an, während sie im Sommer darauf zu ihrer eigentlichen Farbe zurückkehren
§ 78
Dies streifte ich deshalb kurz, damit auch diese Beispiele uns im Glauben an jene Umwandlung bestärken möchten, welche bei der Auferstehung statthaben wird: jene Umwandlung meine ich, welche der Apostel mit den Worten deutlich zum Ausdruck brachte: „Alle zwar werden wir auferstehen, nicht alle aber verwandelt werden“. Und im folgenden: „Und die Toten werden unverweslich auferstehen, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit, und dieses Sterbliche anziehen die Unsterblichkeit“. So manche nämlich sprechen 226 sich über die Art und Weise dieser Verwandlung in einem Sinne aus, den sie nicht der Überlieferung entnehmen, und ließen es bei ihrem ungehörigen und eigenmächtigen Vorgehen keineswegs an ungebührlicher Anmaßung fehlen.
§ 79
Der Vogel Phönix desgleichen soll sich in den Gegenden Arabiens aufhalten und sein langes Leben bis zu fünfhundert Jahren fristen. Wenn er nun sein Lebensende nahen sieht, bereitet er sich aus Weihrauch, Myrrhe und sonstigen wohlriechenden Gewürzen einen Sarg, worin er nach Ablauf seiner Lebenszeit eintritt und stirbt. Aus seinem modernden Fleische ersteht ein Würmlein, wächst mählich heran, bekommt im Laufe einer bestimmten Frist Flügel und nimmt von neuem die Gestalt und Form des früheren Vogels an. Möchte denn dieser Vogel, der ohne ein Vorbild zu haben und ohne die Bewandtnis dessen zu begreifen, sich selbst die Sinnbilder der Auferstehung zubereitet, wenigstens durch das Vorbild, das er selbst gibt, den Auferstehungsglauben lehren! Sind doch die Vögel des Menschen wegen da, nicht der Mensch um eines Vogels willen. Er sei uns sonach ein Vorbild dafür, daß der Urheber und Schöpfer der Vogelwelt seine Heiligen nicht für immer dem Untergang verfallen läßt: ließ er doch nicht einmal diesen einen Vogel untergehen, sondern wollte, daß er aus seinem eigenen Samen erstehe und forterhalten werde. [Oder] wer zeigt ihm den Todestag an, daß er sich den Sarg bereite, mit Gewürzen ihn fülle, in denselben trete und da sterbe, wo lieblicher Duft den üblen Leichengeruch zu absorbieren vermag?
§ 80
So sarge auch du, o Mensch, dich ein! „Zieh den alten Menschen mit seinem Tun aus und zieh einen 227 neuen an!“ Dein Sarg, deine Hülle ist Christus, der dich schützen und bergen mag an schlimmem Tag. Willst du’s vernehmen, daß er dir eine Schutzhülle ist? „In meinem Köcher“, versichert er, „schütze ich ihn“. Dein Sarg ist der Glaube. Fülle ihn mit den Wohlgerüchen deiner Tugenden, d.i. der Keuschheit, der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit, und tritt ganz ins Innere des Glaubenslebens ein, das vom süßen Wohlgeruch herrlicher Taten duftet! In diesen Glauben gehüllt, treffe dich die Stunde des Scheidens von diesem Leben, auf daß deine Gebeine mit Mark sich füllen und „wie ein wohlgetränkter Garten“ seien, der rasch in frischem Grün ersteht! Erkenn deinen Sterbetag, wie auch Paulus ihn kannte, da er beteuert: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt: hinterlegt ist mir die Krone der Gerechtigkeit“. So also sargte Paulus wie ein guter Phönix sich ein und erfüllte seinen Sarg mit dem Wohlgeruche des Martyriums.
§ 81
Ich will dich fragen, du aber antworte mir: Woher haben denn die Geier gewisse Zeichen, mit denen sie den Menschen den Tod anzumelden pflegen? Welches Anzeichen lehrt und leitet die vorgenannten Vögel an, daß sie, wenn feindliche Heere gegenseitig zu unseligem Kampf sich rüsten, in großer Schar folgen und damit zu erkennen geben, daß eine Menge Menschen als künftige Beute der Geier im Kampfe fallen werden? Traun, es scheint, als ob sie das nach Art menschlicher Schulung wie durch einen Vernunftschluß folgerten.
§ 82
Selbst bis zur Heuschrecke erstreckte sich Gottes Huld. Überzieht dieselbe nämlich in dichtem Schwarm eine Gegend ihrer ganzen Ausdehnung nach, verhält sie sich vorerst ruhig darin ohne Schaden anzurichtebn und weidet keine Früchte ab, ungastlich darüber herfallend, 228 es sei denn auf das Zeichen des göttlichen Befehles. Denn wie wir im Buche Exodus lesen, vollstreckt auch sie nur, eine Dienerin heiliger Rache, die Strafe für eine Beleidigung des Himmels.
§ 83
Diese nun vertilgt der Seleuzisvogel so heißt dieser Vogel mit seinem griechischen Namen zur Abwendung des Unheils, das die Heuschrecke anzurichten pflegt. In seine Natur legte nämlich der Schöpfer einen unersättlichen Vertilgungstrieb, so daß er, nimmer satt sie aufzehrend, imstande ist, der obigen Plage ein Ende zu bereiten.