Arten und Namen derselben übertragen sich auf die Landtiere. Als Landtiere schädlich und furchtbar, sind sie als Wassertiere nützlich und zahm. Der tiefe Friede in den Wassern.
§ 5
168 „Es sollen hervorbringen die Wasser die kriechenden Tiere“, sprach der Herr: ein kurzes Wort, aber ein machtvolles und weithin wirkendes, das den kleinsten wie dem größten Wesen die gemeinsame [Reptilien]Natur einpflanzte. Im nämlichen Augenblick tritt der Walfisch ins Dasein, da kraft des gleichen Schöpfungsaktes der Frosch ins Leben tritt. Mühelos legt Gott an die größten, unverdrossen an die kleinsten Werke Hand an. Ohne Wehen gebiert die Natur den Delphin, wie sie ohne Wehen die kleine Purpur und Meerschnecke erzeugte. Beachte, o Mensch, wie im Meere noch unvergleichlich mehr Wesen sich regen als auf dem Lande! Zähle, wenn du kannst, alle Fischarten von den kleinsten bis zu den größten: die Tintenfische, Polypen, Austern, Meerund Flußkrebse, und innerhalb derselben die unzähligen Individuen ihrer Art! Was soll ich die Schlangenarten nennen: die Drachen, Muränen, Aale? Nicht will ich übergehen die Skorpione, Frösche, Schildkröten, ferner die Meerottern und Seehunde, die Meerkälber, Walungeheuer, Delphine, Robben, Seelöwen. Was soll ich noch anreihen die Meeramseln und Drosseln und Pfaue, deren Farbe wir auch in der Vogelwelt wiederbegegnen? So sind die Amseln schwarz, die Pgauen an Rücken und Hals schillernd, die Drosseln am Bauche gefleckt. Was [soll ich anreihen] die übrigen Seetiere, deren Arten und Namen auch das Festland sich belegte? Zuerst nämlich traten diese im 169 Meere und in den verschiedenen Flüssen hervor, da ja das Wasser zuerst auf das göttliche Willensgebot hin „die kriechenden Tiere mit lebendiger Seele“ hervorbrachte.
§ 6
Dazu kommt der weitere Vorzug, daß die Tiere, die wir auf dem Festlande fürchten, im Wasser unsere Lieblinge sind. Als Landtiere schädlich, sind sie als Wassertiere unschäflich und selbst die Schlange ohne Gift. Der Löwe, der Schrecken auf dem Festlande, ist in den Fluten sanft; die Muräne, nicht ganz ungiftig, wie es heißt, ein um so köstlicherer Leckerbissen; der Frosch, das widerliche Sumpftier, als Wassertier [Seefisch] lieblich und an Güte fast alle Speisen übertreffend. Will jemand noch mehr darüber erfahren, mag er sich bei den verschiedenen Fischern an Ort und Stelle erkundigen; denn man kann nicht alles wissen. Vor den Hunden freilich hüte dich selbst im Wasser, wie sie auch in der Kirche eine unliebsame Erscheinung und zu fliehen sind nach des Apostels Wort und Weisung: „Hütet euch vor den Hunden, hütet euch vor den schlechten Arbeitern!“ Die Mustela [Marder] verbreitet auf dem Lande üblen, im Wasser lieblichen Geruch. Sie weiß als Landtier mit der Strafe ihres Gestankes sich zu rächen. Als Wassertier ist sie gefangen ebenso lieblich wie in der Freiheit. Auch dich, Thymallus, will ich nicht ohne ehrendes Gedenken unsererseits übergehen. Den Namen hast du von der [Thymian]Blume. Ob dich die Flut des Tessinflusses oder die Flut der lieblichen Etsch aufgenährt: eine Blume bist du. Das bezeugt denn auch zu deutlich die Redeweise, wonach man von einem, der lieblichen Wohlgeruch verbreitet, die feine Wendung gebraucht: ‘er duftet nach Fisch’ oder ‘nach Blume’; so sind also Fisch und Blumenduft nach dem Sprachgebrauch dasselbe. Was kann es Zierlicheres geben als deine Gestalt, was Entzückenderes 170 als deine Anmut, was Duftigeres als deinen Wohlgeruch? Den Duft, den der Honig verbreitet, den atmest du mit deinem Leibe aus. Was soll ich dann sprechen von der zarten Art der Rabenfische, was von jener der Seelöwen? Vor diesen Löwen kennt das Lamm keine Furcht. So friedlich geht es im Wasser her, daß die Löwen den [Meer]Kälbern weichen. so daß mit Recht auf sie jener prophetische Ausspruch über die Heiligkeit der Kirche zutrifft: „Dann werden Wölfe und Lämmer zusammen weiden, Löwe und Rind zusammen Stroh verzehren“. Kein Wunder, da ja auch in der Kirche das [Tauf]Wasser die Wirkung hat, Räuber kraft der Abwaschung ihrer Verruchtheit den Unschuldigen gleichzumachen. Was soll ich desgleichen die Purpurschnecke erwähnen, welche Königstafeln zieren, Königsmäntel färben? Vom Wasser also stammt die Pracht an den Königen, von der man huldigend niedersinkt; vom Wasser die Herrlichkeit, die an ihnen strahlt. Nimm dazu die Meerschweinchen, die auch den Juden munden; denn es gibt nichts Unreines, was das Wasser nicht reinigte. Eben darum können sie dieselben nicht gleich den Schweinen auf dem Festlande für unrein halten.