Nicht auf die äußerliche Folgschaft sieht der Herr. Innere Religiosität und des Herrn Berufung bedingen die Jüngerschaft. Sittlich Schwache und Sünder sind an sich nicht ausgeschlossen, doch Vorsicht ist am Platze (22—29): Ausgeschlossen sind die Häretiker mit ihrer Fuchsnatur (30—31) und die von den Geistern der Bosheit („Vögel des Himmels“) besessenen Gottlosen (32). Die Pietät gegen Gott geht jener gegen die Menschen vor: Das Menschliche steht überhaupt dem Göttlichen nach (33—35). Vom dreifachen Tod: dem physischen, ethischen und mystischen (36—38). Das mystische Leben in Christus: sein Schatten im Diesseits, seine Enthüllung im Jenseits (39—40). Eine dreifache Totenbestattung im ethischen, mystischen und prophetischen Sinn (41—43).
§ 22
[Forts. v. 340 ] * „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, wo sie ausruhen; der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege‟*. Es schiene nicht vernunftgemäß zu sein, wollte man einen, den des Herrn Huld trotz seines Gelöbnisses unermüdlicher Dienst- und Folgeleistung abweist, für einen aufrichtigen und verlässigen Charakter halten. Dem Herrn ist es vielmehr nicht um eine äußere Folgschaft, sondern um eine lautere Gesinnung zu tun. Daher denn auch seine Forderung im vorausgehenden: „Wer immer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen‟.
§ 23
An letzterer Stelle schärft der Herr die Pflicht eines schlichten Wesens sonder Dünkel, einer Liebe ohne Mißgunst, einer Hingebung ohne Verbitterung ein. Seine Mahnung bezweckt nämlich, daß selbst ein im Alter schon weiter Fortgeschrittener in seiner Gesinnung Kindessinn annehmen soll, insofern das Kind in seiner Anspruchslosigkeit die Norm der Tugend befolgt und, wenn auch unbewußt, nichts von Schuld weiß. Weil aber immerhin so manchem schlichte Einfalt ohne Vernunft nicht als Tugend, sondern als Schwäche 341 erscheint, so ergeht an dich die Mahnung, wahre Vernunft anzunehmen, d. i. mit bewußtem Eifer deine Naturausstattung zu betätigen.
§ 24
[Forts. v. 341 ] Darum versichert er:* „Wer immer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesendet hat‟*. Wer nämlich einen Nachahmer Christi aufnimmt, nimmt Christus auf; und wer das Bild Gottes aufnimmt, nimmt Gott auf. Doch weil wir das Bild Gottes nicht sehen konnten, wurde uns durch die Menschwerdung des Wortes dessen Gegenwart zuteil zur Versöhnung der Gottheit mit uns, die über uns thront.
§ 25
[Forts. v. 341 ] Wenn aber der vielliebende und darum hinwiederum vielgeliebte Johannes im Übereifer der Liebe den, der keine Folgschaft leistete, vom Wohltun ausgeschlossen wissen will, so erfährt er mit Recht keinen Tadel, sondern nur Belehrung: keinen Tadel, weil er es aus Liebe tat; Belehrung zur Unterweisung, daß zwischen Schwachen und Starken ein Unterschied besteht. Wenn darum auch der Herr die Stärkeren belohnt, schließt er doch die Schwachen nicht aus.
§ 26
„Lasset sie und wehret ihnen nicht! Denn wer nicht wider euch ist, ist für euch‟. Recht so, o Herr! Denn auch Joseph (von Arimathäa) und Nikodemus waren aus Furcht nur geheime Jünger, verweigerten dir jedoch im entscheidenden Augenblick ihren Dienst nicht. Doch weil du anderenorts gesprochen: „Wer nicht mit mir ist, ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut‟, so eröffne uns gleichwohl den Sinn, daß es nicht scheine, es liege ein Widerspruch vor! Ich nun glaube, daß man beim Gedanken an den, der die Geister 342 erforscht, nicht zweifeln darf, daß die Entscheidung über eines jeden Tun von seiner geistigen Beschaffenheit abhängt. So spricht er denn zum einen: „Folge mir!‟, zum anderen: „Die Füchse haben Höhlen‟. Jener wird (zur Jüngerschaft) gedrängt, dieser abgewiesen. Du solltest wissen: der Fromme wird zugelassen, der Irreligiöse ausgeschlossen.
§ 27
Wenn er aber den Jüngern den Wunsch verwies, es möchte Feuer über jene herabfallen, die Christus nicht aufgenommen hatten, so erhellt für uns daraus, daß man gegen jene, die sich verfehlt haben, nicht immer strafend einschreiten soll; denn zuweilen frommt Milde mehr ― dir zur Geduldprobe, dem Gefallenen zur Besserung. So nahmen denn die Samaritaner, von denen an unserer Stelle das Feuer abgewendet wurde, ziemlich frühzeitig den Glauben an. Zugleich beachte, wie er von jenen, die sich, wie er wußte, nicht aufrichtigen Herzens bekehrten, eine Aufnahme nicht wollte; hätte er sie nämlich gewollt, hätte er sie aus Irreligiösen zu Frommgläubigen machen müssen. Den Grund aber, warum sie ihn nicht aufnahmen, verzeichnete der Evangelist selbst mit den Worten: „weil sein Angesicht zum Gange nach Jerusalem gerichtet war‟. Die Jünger wohl hegten den Wunsch, in Samaria Aufnahme zu finden, doch Gott ruft, welche er dessen würdigt, und macht fromm, wen er will. Die Jünger freilich sündigten nicht, indem sie nur dem Gesetze folgten; denn sie wußten, daß es einerseits Phinees zur Gerechtigkeit angerechnet wurde, weil er die frevlen Hurer ermordet hatte, daß andererseits auf Bitten des Elias Feuer vom Himmel fiel zur Bestrafung des Unrechts wider den Propheten. Doch mag Strafe finden, wer sie fürchten muß: nicht fragt darnach, wer sie nicht zu fürchten hat. Zugleich zeigt sich uns, wie in den Aposteln die Verdienste der Propheten ruhten, wenn sie sich kraft der Gebetserhörung die nämliche Gewalt 343 zutrauten, deren ein großer Prophet gewürdigt ward. Und mit Recht vertrauen sie, daß auf ihr Wort Feuer vom Himmel niederfalle; denn sie sind die „Donnersöhne‟.
§ 28
[Forts. v. 343 ] Des Herrn Walten aber ist in allem wunderbar. Er nimmt weder den, welcher sich ihm übereilt anbietet, auf, noch ist er gegen jene, die gottlos ihren eigenen Herrn abweisen, aufgebracht. Er wollte damit zeigen, daß die vollkommene Tugend nicht rachsüchtig ist; daß da, wo volle Liebe herrscht, kein Zürnen Platz greift und Schwäche nicht auszuschließen, sondern zu unterstützen ist. Fern sei Frommen Verbitterung, fern Großmütigen Rachsucht, fern desgleichen Klugen unbedachtsame Vertrauensseligkeit und unvorsichtige Offenheit! Auch einem solchen gilt daher die Warnung: „Die Füchse haben Höhlen‟. Und niemand wird zur Jüngerschaft zugelassen, dessen Dienst nicht erprobt ist. Eines umsichtigen Späherauges bedarf rings des Glaubens gastliches Heim, daß wir nicht, während wir Ungläubigen das Innere unserer Wohnung öffnen, durch unvorsichtige Glaubensseligkeit fremder Glaubenslosigkeit ins Netz geraten.
§ 29
Um uns aber nicht den Anschein zu geben, als hätten wir unbedachtsam die Frage übergangen, warum der Herr denen, die kraft der Handauflegung im Namen Jesu den unreinen Geistern zu gebieten vermögen, es nicht verwehrt wissen will, nach Matthäus hingegen zu denselben spricht: „Ich kenne euch nicht; weichet von mir, all ihr Übeltäter!‟, so müssen wir beachten, daß keine Sinnverschiedenheit und kein Gedankenzwiespalt vorliegt, sondern daß dies dahin zu verstehen ist, daß an einem Kleriker nicht nur Amtsfunktionen, sondern auch Tugendwerke erforderlich sind, und daß Christi Name so groß ist, daß er selbst solchen, die weniger heiligmäßig sind, seinen Beistand (zu den Amtsverrichtungen) gewährt, wenn er auch keine (persönliche) 344 Gnade gewährt. Keiner darf demnach auf sich pochen und das Verdienst der Läuterung eines Menschen (durch die Sakramentsspendung) sich zuschreiben; denn die Kraft des ewigen Namens, nicht irgendwelches Vermögen menschlicher Schwachheit war in ihm wirksam: nicht dein Verdienst, sondern der eigene Selbsthaß führte zur Besiegung des Teufels.
§ 30
[Forts. v. 344 ] Das nun vermag der Mensch: er betätige aufrichtigen Glauben und wahre frommes Sinnes die Beobachtung der Gebote, daß nicht das Wort ihm gelte: „Die Füchse haben Höhlen‟. Auf listigen Raub nämlich geht dieses tückische, stets auf Nachstellungen sinnende Tier aus. Nichts läßt es in Frieden, nichts in Ruhe, nichts in Sicherheit, selbst innerhalb der gastlichen menschlichen Behausungen fahndet es nach Beute.
§ 31
Den Häretikern aber gilt sein Vergleich mit dem Fuchs. Er schließ folglich, während er die Heiden beruft, die Häretiker aus. Ein Tier voll der Tücke ist nämlich der Fuchs, der sich eine Höhle bereitet und stets in der Höhle sich zu bergen trachtet. So sind die Häretiker, die sich kein Haus zu bestellen wissen, sondern durch ihre Betrügereien nur andere zu täuschen suchen. Jakob bewohnt ein Haus, der Häretiker birgt sich in der Höhle, wie ein hinterlistiger Fuchs stets auf Trug sinnend gegen jene Henne im Evangelium, von der geschrieben steht: „Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln wie eine Henne ihre Küchlein, und du hast nicht gewollt! Sehet, euer Haus wird verödet gelassen werden!‟ Mit Recht nun haben sie Höhlen, weil sie das Haus, das sie hatten, verloren haben. ― Jenes Tier läßt sich auch nimmer zähmen. Daher des Apostels Mahnung: „Einen Ketzer meide nach einmaliger Zurechtweisung!‟ Es taugt auch zu keinerlei Nutzbrauch oder Speise; denn von ihm gilt nicht Christi Wort: „Meine Speise ist, daß ich den Willen meines 345 Vaters tue, der im Himmel ist‟. Ja er schließt diese Füchse geradezu aus seinen Fruchtgärten aus, indem er spricht: „Fanget uns die kleinen Füchse, welche die Weinberge verwüsten‟, d. i. welche einen kleineren Weinberg, nicht den größeren verwüsten! Darum band Samson Fackeln an ihre Schwänze und entließ sie in die Saaten der Fremden (Philister); denn die Häretiker suchen fremde Frucht zu brandschatzen, mehr mit lautem Geheul denn zarter Stimme ― wer nämlich das Wort verleugnet, büßt auch die Stimme ein ― für den Augenblick noch mit freiem Gekläff, doch jetzt schon für alle Zukunft mit Fackeln am Schwanzende zum Hinweis auf den Feuerbrand bei ihrem Ende.
§ 32
[Forts. v. 345 ] Desgleichen bauen „die Vögel des Himmels‟, die häufig zum Vergleich mit den Geistern der Bosheit angezogen werden, gleichsam Nester in die Brust der Gottlosen. Eben darum, „weil die Ruchlosigkeit überhand genommen‟, „hat der Menschensohn nicht, wo er sein Haupt hinlege‟. Solange nämlich Verschlagenheit herrscht und für Herzenseinfalt kein Platz bleibt, kann von einem Besitz Gottes im Herzen des einzelnen keine Rede sein; denn „das Haupt Christi ist Gott‟, der, sobald er einen Geist in Unschuld erprobt, gleichsam die Allgewalt seiner Majestät über ihm ruhen läßt ― augenscheinlich zum Zeichen dafür, daß eine besonders reichliche Gnade der Brust der Guten sich einsenkt.
§ 33
Damit du nun inne werdest, daß Gott nicht ein Verächter der wahren, sondern nur der falschen Gottesverehrung ist, erwählt er, der den falschen Jünger abgewiesen hatte, einen unschuldigen aus und spricht zu ihm:* „Folge mir!‟* Doch gilt sein Wort einem, dessen Vater er bereits tot wußte, jenen Vater fürwahr, den er mit der Aufforderung an ihn meinte: „Vergiß das Haus deines Vaters!‟ Sieh denn, wie der Herr 346 selbst Unverständige, deren er sich erbarmt, beruft und dem, welcher um Erlaubnis zur Beerdigung des Vaters bat, entgegenhielt:
§ 34
[Forts. v. 346 ] * „Laß die Toten ihre Toten begraben! Du aber geh hin, verkündige das Reich Gottes!‟* Nachdem wir doch den Liebesdienst des Begräbnisses als einen religiösen Akt überkommen haben: wozu anders nun wird an unserer Stelle die Bestattung der Leiche des Vaters verwehrt, als zur Belehrung darüber, daß das Menschliche dem Göttlichen nachzusetzen sei? Gut ist solcher Eifer, doch größer noch das Hindernis; denn vielseitiger Eifer lenkt den Sinn ab, geteilte Sorge verzögert den Fortschritt. Zuerst soll man daher an die wichtigsten Aufgaben herantreten. Denn auch die Apostel stellten, um ihren Predigteifer nicht zu behindern, Armenpfleger auf und erhielten ihrerseits, als sie vom Herrn ausgesendet wurden, den Auftrag, niemand auf dem Weg zu grüßen, nicht weil der Höflichkeitsdienst voll Wohlwollen mißfallen, sondern weil der Eifer zu religiöser Betätigung noch mehr gefallen sollte.
§ 35
[Forts. v. 346 ] Wie aber wäre es möglich, daß Tote die Toten begraben, wenn man nicht an unserer Stelle einen doppelten Tod annähme, einerseits den physischen Tod, andererseits den Sündentod? Es gibt auch noch einen dritten Tod, worin wir der Sünde absterben, Gott leben gleich Christus, welcher der Sünde gestorben ist; „denn da er der Sünde gestorben, ist er ein für allemal gestorben; da er aber lebt, lebt er Gott‟.
§ 36
Der* eine* Tod nun besteht in der Auflösung der Verbindung des Leibes und er Seele: er ist nicht grausig, nicht zu fürchten, da er augenscheinlich nur ein gewisses Scheiden von uns, nicht eine Strafe ist: nicht zu fürchten für die Starken, begehrenswert den Weisen, 347 sehnlich erwünscht den Unglücklichen. Er ist gemeint mit dem Ausspruch: „Es werden die Menschen den Tod suchen und ihn nicht finden‟.
§ 37
[Forts. v. 347 ] Noch einen anderen Tod gibt es, der den Untergang der weltlichen Genüsse zur Folge hat, in welchem nicht die Natur, sondern die Sündenschuld abstirbt. Diesem Tod gehen wir, in der Taufe mit Christus mitbegraben und den „Dingen dieser Welt‟ abgestorben, anheim, wenn Vergessen, das unser früheres Tun deckt, unser Los wird. Diesen Tod wollte Balaam bei seiner Weissagung sterben, um Gott zu leben. Daher sein Wunsch: „Sterben möge meine Seele in den Seelen der Gerechten und meine Nachkommenschaft werden wie ihre Nachkommenschaft!‟
§ 38
[Forts. v. 347 ] Noch einen dritten Tod gibt es: wenn man Christus nicht kennt, der „unser Leben‟ ist. Die Kenntnis Christi aber ist das ewige Leben, das jetzt im Schattenbild den Gerechten zugegen ist, in Zukunft aber von Angesicht zu Angesicht es sein wird; denn „Geist vor unserem Angesicht ist Christus der Herr‟. Diesen meinte auch (der Prophet) mit dem Ausspruch: „In seinem Schatten wollen wir leben unter den Völkern‟. Im Schatten seiner Fittiche schöpfte David Hoffnung, in seinem Schatten saß voll Verlangen die Kirche.
§ 39
Herr Jesus, wenn schon Dein Schatten soviel gewährt, wieviel wird doch die Wahrheit bringen? Wie 348 wird unser Leben sich gestalten, wenn nicht mehr der Schatten, sondern das Leben selbst uns umfangen wird? Denn jetzt „ist unser Leben verborgen mit Christus in Gott, wenn aber Christus, unser Leben, erscheinen wird, alsdann werden auch wir‟, so heißt es,„mit ihm erscheinen in Herrlichkeit‟. Süß ist jenes Leben, dem kein Tod anhaftet; denn diesem Leben haftet der Tod an, nach dem man sich sogar vielfach sehnt. Selbst auch der Seele haftet vielfach mit der Sündenmakel der Tod an; denn „die Seele, die sündigt, sie soll sterben‟. Wenn sie aber in der Festigkeit der Seligkeit begründet und bestärkt anfängt, nicht mehr der Sünde zu frönen, wird sie nicht mehr dem Tode zugänglich sein, sondern ewiges Leben atmen.
§ 40
[Forts. v. 348 ] Nach diesem Leben, Brüder, laßt uns trachten, trauernd in der Welt, weil „in der Fremde, fern vom Herrn!‟ Weitaus das Bessere aber ist, vom Leibe sich loslösen und Gott anhangen, daß auch wir eins seien vor dem allmächtigen Gott und den eingeborenen Gottessohn in der Herrlichkeit der Auferstehung schauen möchten, in den Verklärungszustand der Natur erhoben und im Ewigen Bund in unverbrüchlicher Geisteseintracht das Bild der von dauerndem Frieden verklärten Einheit darstellend, auf daß sich das Gebetsversprechen erfülle, das der Gottessohn unsertwegen dem Vater gemacht hat: „daß auch sie eins seien, wie wir eins sind‟.
§ 41
Nicht also die Bestattung der Leiche des Vaters wird (oben) verwehrt, sondern nur die der Gottesverehrung entspringende Pietätspflicht den Rücksichten der Blutsverwandtschaft vorgezogen. Jene bleibt den Mitgenossen (des Todes) überlassen, diese ist ein Gebot der Auserwählten. Oder aber es wird, weil der Gottlosen „Rachen ein offenes Grab ist‟, zur Vorschrift gemacht, das Gedächtnis derer, mit deren Leib zugleich auch deren Verdienst im Tode erlischt, 349 vergehen zu lassen: es wird nicht der Sohn vom Liebesdienste gegen den Vater abgehalten, sondern der Gläubige von der Gemeinschaft des Glaubenslosen ferngehalten.
§ 42
[Forts. v. 349 ] Es gibt nämlich eine Bestattung, die nur den Gerechten eignet. Eine solche war jene, von der gesprochen wurde: „Denn indem sie diese Salbe über meinen Leib ausgoß, hat sie es zu meinem Begräbnisse getan‟. Wer also im echten Glauben Christus in sich begräbt um mit ihm aufzuerstehen, darf nicht des Teufels Unglauben in sich begraben.
§ 43
[Forts. v. 349 ] Auch von jener Bestattung ist beim Propheten die Rede, wonach wir über die Gräber der Vorfahren gewisse Dinge setzen, die dem Leser bekannt sind, dem Ungläubigen unbekannt bleiben müssen. Nicht um die Anordnung von Speise und Trank handelt es sich hierbei, sondern um die ehrwürdige Gemeinschaft, die in der heiligen Weihegabe sich offenbaren soll. ― So liegt denn (oben) kein Verbot eines Liebeserweises vor, sondern ein religiöses Geheimnis, wonach es für uns künftig keine Gemeinschaft mit den Toten in der Heidenwelt geben kann. Da nämlich die Sakramente den Lebendigen eignen, sind jene, welche das Leben haben, augenscheinlich nicht tot.