§ 1
560Als er daher zur Passion kam, wollte er dem Abraham und den Seinen die Eröffnung des Erbes verkünden. Nachdem er also Dank gesagt hatte, nahm er den Kelch, trank daraus, gab ihn seinen Jüngern und sprach: „Trinket aus ihm alle! Dies ist mein Blut des Neuen Bundes, das für viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch aber: Fürder werde ich nicht trinken von dem Gewächse dieses Weinstockes bis auf jenen Tag, wann ich jenen neuen trinken werde mit euch im Reiche meines Vaters“. So wird er also das Erbe der Erde selbst erneuern und das Geheimnis der Herrlichkeit der Söhne wiederherstellen, wie David spricht: „Und er hat erneuert das Angesicht der Erde“. Indem er versprach, mit seinen Jüngern von dem Gewächs des Weinstockes zu trinken, wies er auf beides hin: Auf das Erbe der Erde, auf welcher das neue Gewächs des Weinstockes getrunken wird, und auf die fleischliche Auferstehung seiner Jünger. Denn das Fleisch, das neu aufersteht, wird auch den neuen Trank kosten. Denn nicht kann man das so verstehen, daß er das Gewächs des Weinstockes mit den Seinen trinken wird, wenn er sich in dem überhimmlischen Orte befindet, noch können Fleischlose jenes trinken. Denn nur das Fleisch und nicht der Geist kann den Trank von dem Weinstocke empfangen.
§ 2
Deswegen sprach auch der Herr: „Wenn du ein Mittag- oder Abendmahl machst, rufe nicht die Reichen, noch die Freunde, noch die Nachbarn oder Verwandten, damit sie nicht wiederum dich rufen und dir von ihnen vergolten werde. Sondern rufe die Lahmen, die Blinden, die Bettler, und selig wirst du sein, da sie nicht haben, dir zu vergelten. Vergolten wird nämlich dir 561werden in der Auferstehung der Gerechten“. Und wiederum sagt er: „Wer immer verläßt Äcker oder Häuser oder Eltern oder Brüder oder Söhne um meinetwillen, der wird hundertfach empfangen in dieser Welt, und in der zukünftigen wird er das ewige Leben erben“. Welches ist denn in dieser Welt die hundertfache Vergeltung für die Mittag- und Abendmahlzeiten, die den Armen gereicht wurden? Sie findet statt in den Zeiten des Reiches, d. h. am siebenten Tage, dem geheiligten, an welchem Gott von allen seinen Werken ruhte, die er gemacht hatte, welches der wahre Sabbat der Gerechten ist, an dem sie kein irdisches Werk verrichten werden, sondern an dem Tische sitzen, den ihnen Gott bereitet hat, der sie labt mit allen Speisen.
§ 3
Dasselbe besagt auch der Segen Isaaks, mit dem er seinen jüngeren Sohn Jakob segnete, indem er sprach: „Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch eines vollen Ackers, den Gott segnete“. „Der Acker aber ist die Welt“, Und deswegen fügte er auch hinzu: „Es gebe dir Gott von dem Taue des Himmels und der Fruchtbarkeit der Erde die Menge des Weizens und des Weines! Und es mögen dir dienen die Völker und dich anbeten die Fürsten! Und du sollst der Herr deines Bruders sein, und es werden dich anbeten die Söhne deines Vaters. Wer dich verflucht, wird verflucht sein, wer dich segnet, wird gesegnet sein“. Wer das nicht bezieht auf das vorausbestimmte Reich, der wird in gewaltigen Widerspruch und Gegensatz geraten, wie die Juden in alle Verlegenheit hineingefallen sind. Denn nicht nur dienten unserm Jakob in diesem Leben keine Völker, sondern er selbst mußte nach dem Segen fortziehen und seinem Oheim, dem Syrer Laban, zwanzig Jahre dienen. Und nicht nur wurde er nicht der Herr seines Bruders, sondern er selbst betete seinen Bruder Esau an, als er aus Mesopotamien 562zu seinem Vater zurückkehrte, und brachte ihm viele Geschenke dar. Wie aber hat der hienieden die Menge des Weizens und Weines geerbt, der wegen einer Hungersnot in seinem Lande nach Ägypten auswanderte und sich dem Pharao unterwarf, der damals in Ägypten herrschte? Der vorgenannte Segen erstreckt sich also ohne Widerrede auf die Zeiten des Reiches, wo die Gerechten, von den Toten auferstehend, herrschen werden, wo die ganze Kreatur, erneuert und befreit, eine Menge jeglicher Speise aus dem Tau des Himmels und der Fruchtbarkeit der Erde hervorbringen wird. So erinnern sich auch die Presbyter, die Johannes, den Schüler des Herrn, gesehen haben, von ihm gehört zu haben, wie der Herr von jenen Zeiten lehrte und sprach: „Es werden Tage kommen, wo Weinstöcke wachsen werden, jeder mit 10 000 Reben, und an einer Rebe 10 000 Zweige, und an einem Zweige 10 000 Schosse und an jedem Schoß 10 000 Trauben und an jeder Traube 10 000 Beeren, und jede Beere wird ausgepreßt 1000 Liter Wein geben. Und wenn einer von den Heiligen eine Traube ergreift, wird die andere ihm zurufen: Ich bin eine bessere Traube, nimm mich und preise durch mich den Herrn! Ähnlich werde auch ein Weizenkorn 10 000 Ähren hervorbringen und jede Ähre 10 000 Körner haben und jedes Korn 10 Pfund weißes, reines Mehl geben. Und dementsprechend alle übrigen Obstsorten und Samen und Kräuter; und alle Tiere würden sich mit den Speisen nähren, die ihnen die Erde bietet, und friedlich und zutraulich untereinander, gegen den Menschen aber ganz unterwürfig sein.“
§ 4
Dies bezeugt auch Papias, ein Hörer des Johannes und Hausgenosse des Polykarpus, ein Mann der alten Zeit, wie in dem vierten seiner Bücher — fünf hat er nämlich verfaßt — geschrieben steht. Und dann fügt er hinzu: „Dies aber ist glaublich den Gläubigen.“ Und als der Verräter Judas nicht glaubte und fragte: „Wie werden solche Erzeugnisse von dem Herrn zustandegebracht werden?“ da habe der Herr ihm gesagt: „Sehen werden es, die dazu kommen.“ Diese Zeiten also prophezeite Isaias mit den Worten; „Und weiden wird der Wolf mit dem Lamme, und der Pardel wird ruhen 563neben dem Ziegenböcklein, und Kalb und Stier und Löwe werden zusammen weiden, und ein kleiner Knabe wird sie führen. Und Ochs und Bär werden zusammen weiden, und zusammen werden ihre Jungen sein, und Löwe und Ochs werden Spreu fressen. Und ein kleines Kind wird in die Natternhöhle und in das Nest der jungen Nattern seine Hand legen, und sie werden ihm nichts Böses tun, noch werden sie einen auf dem heiligen Berge verderben können“. Und wiederum sagt er zusammenfassend: „Dann werden die Wölfe und Lämmer beieinander weiden, und der Löwe wird wie der Ochs Spreu fressen, die Schlange aber Erde wie Brot, und sie werden nicht schaden noch belästigen auf dem heiligen Berge, spricht der Herr“. Nun weiß ich wohl, daß einige dies auf jene wilden Menschen zu beziehen versuchen, die aus den verschiedensten Völkern und Werken gläubig geworden sind und nun mit den Gerechten übereinstimmen. Doch wenn auch dies jetzt zutrifft auf einige Menschen, die aus verschiedenen Völkern zu der einen Überzeugung des Glaubens kommen, so gilt dies doch auch bei der Auferstehung der Gerechten für jene Tiere, denn, wie gesagt: Reich in allem ist Gott. Und wenn nun die Schöpfung wiederhergestellt ist, dann müssen alle Tiere dem Menschen sich unterwerfen und gehorsamen und zur ersten von Gott ihnen gegebenen Speise zurückkehren, zur Frucht der Erde, wie sie auch dem Adam in Gehorsam unterworfen waren. Übrigens kann auch jetzt niemand einen Löwen aufweisen, der sich von Spreu nährt. Das aber weist hin auf die Größe und Fettigkeit der Früchte. Wenn nämlich das Löwentier sich von Spreu nährt, wie muß dann der Weizen selbst sein, dessen Spreu den Löwen zur Nahrung dient!