§ 1
Diejenigen, die einen anderen Vater außer dem Demiurgen erdichten und ihn gut nennen, merken selbst nicht, wie schwach, überflüssig und nachlässig sie ihn machen, um nicht zu sagen, mißgünstig und neidisch, da er ja unsere Körper nicht beleben soll. Wenn nämlich bloß Geist und Seele und das andere derart, was selbstverständlich ist, ewig fortdauern soll, weil es vom Vater belebt wird, das übrige aber, was nur lebt, wenn es vom Vater belebt wird, vom Leben verlassen werden soll, so muß ihr Vater schwach und kraftlos sein oder mißgünstig und neidisch. Der Demiurg nämlich belebt hier die sterblichen Körper und verheißt ihnen durch die Propheten Auferstehung, wie wir gezeigt haben. Wer offenbart sich denn nun als mächtiger, stärker und besser, der Demiurg, der den ganzen Menschen belebt, oder ihr fälschlich so genannter Vater, der die von Natur aus unsterblichen Wesen, denen das Leben von Natur aus zukommt, angeblich belebt, das aber, was zum Leben seiner Hilfe bedarf, nicht gütig belebt, sondern gleichgültig dem Tode überläßt? Verleiht nun diesen ihr Vater das Leben nicht, weil er es nicht kann, oder obwohl er es könnte? Kann er es nicht, dann ist er nicht allmächtig und nicht vollkommener als der Demiurg; denn offenkundig verleiht dann der Demiurg 483was jener nicht verleihen kann. Im andern Falle aber ist er nicht ein guter, sondern ein neidischer und mißgünstiger Vater.
§ 2
Wenn sie aber irgend eine Ursache angeben, wegen derer ihr Vater die Leiber nicht belebt, so muß die Ursache selbst größer erscheinen als der Vater, indem sie seine Güte einschränkt; und seine Güte wird herabgesetzt wegen der von ihnen angegebenen Ursache. Alle aber können sehen, daß die Leiber Leben aufnehmen können. Es lebt ja alles, was Gott will leben lassen, und keineswegs können sie noch sagen, daß sie nicht fähig sind, Leben aufzunehmen. Wenn also das, was imstande ist, am Leben teilzunehmen, wegen irgend eines Zwanges oder irgend einer Ursache nicht belebt wird, dann wird ihr Vater dem Zwange und der Ursache dienen, ist also nicht mehr frei und unabhängig in seinem Urteil.