§ 1
Noch deutlicher wies Johannes, der Schüler des Herrn, in der Apokalypse auf das Ende der Zeiten mit 543seinen zehn Königen hin, an die das jetzt herrschende Imperium verteilt werden soll. Indem er erörtert, was die zehn Hörner des Daniel bedeuten, sagt er, daß ihm verkündet sei: „Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, sind die zehn Könige, die das Reich noch nicht empfangen haben, aber Gewalt wie Könige in einer Stunde empfangen werden mit dem Tiere. Diese haben einen Sinn und geben ihre Macht und Gewalt dem Tiere. Diese werden mit dem Lamme kämpfen, und das Lamm wird sie besiegen, da es der Herr der Herren ist und der König der Könige“. Es ist also offenbar, dass der, welcher kommen soll, drei von ihnen töten wird, und daß die anderen sich ihm unterwerfen werden und er der achte unter ihnen ist, und sie werden Babylon verwüsten und einäschern, und sie werden sein Reich dem Tiere geben und die Kirche hinausjagen, dann aber werden sie durch die Ankunft unseres Herrn niedergeworfen werden. Daß nämlich das Reich geteilt werden und so zugrunde gehen muß, verkündet der Herr, indem er sagt: „Jedes Reich, das in sich geteilt ist, wird verwüstet werden, und jede Stadt oder Haus, das in sich geteilt ist, hat keinen Bestand“. Gezehnteilt also muß das Reich, die Stadt und das Haus werden, und deswegen hat er die Teilung und Trennung schon im voraus angezeigt. Und David bezeichnet sorgfältig als das Ende des vierten Reiches die Zehen jenes Bildes, das Nabuchodonosor sah, auf welche der ohne Hände losgehauene Stein sich stürzte. Er sagt nämlich: „Die Füße, zum Teil eisern und zum Teil tönern, bis ein Stein ohne Hände losgerissen ist und das Bild an den eisernen und tönernen Füßen zertrümmerte und sie bis zum Ende zermalmte“. Alsdann erklärt er: „Und da du sahst die Füße und Zehen teils tönern, teils eisern, so wird das Reich geteilt werden, und an seiner eisernen Wurzel wird es sein, wie du gesehen hast, Eisen, vermischt mit Ton. Und die Zehen werden teils eisern, teils tönern sein“. Die zehn Zehen also sind die zehn Könige, 544unter die das Reich verteilt werden wird, die teils tapfer, geschickt und energisch, teils träge, teils unbrauchbar und unentschlossen sein werden, wie wiederum David sagt: „Ein Teil des Reiches wird tapfer sein und ein Teil von ihm schwach. Da du sahest Eisen, vermischt mit Ton, so werden Mischungen sein im Samen der Menschen, und nicht werden sie sich miteinander verbinden, wie das Eisen sich nicht mischt mit Ton“. Und das wird das Ende werden: „Und in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das in Ewigkeit nicht zerstört werden wird, und sein Reich wird keinem andern Volke überlassen werden. Zerstören und fortblasen wird er alle Reiche, jenes aber wird in Ewigkeit erhöht werden, wie du sahst, daß sich von dem Berge ein Stein ohne Hände loslöste und die Scherbe zerbrach und das Eisen und das Erz und das Silber und das Gold. Der große Gott aber verkündet dem König das, was hiernach kommen wird. Und wahr ist der Traum und treu seine Auslegung“.
§ 2
Wenn also der große Gott durch Daniel die Zukunft verkündete und durch seinen Sohn bekräftigte, und Christus der Stein ist, der ohne Hände sich loslöste, und der die zeitlichen Reiche zerstören, ein ewiges aber aufrichten wird, welches in der Auferstehung der Gerechten besteht — „aufrichten wird der Gott des Himmels ein Reich, das in Ewigkeit nicht zerstört werden wird“ — dann mögen beschämt zu Verstande kommen, die den Demiurgen schmähen und leugnen, daß von demselben Vater die Propheten gesandt sind, von dem auch der Herr kam, und die behaupten, daß die Prophetien von verschiedenen Kräften herstammen. Was nämlich von dem Demiurgen in ähnlicher Weise durch alle Propheten verkündet wurde, das hat am Ende Christus vollendet, indem er dem Willen seines Vaters diente und seinen Heilsplan in Bezug auf das menschliche Geschlecht erfüllte. Die also den Demiurgen lästern, sei es durch klare Worte wie die Markioniten, oder durch Umdeutung der Lehre wie die Valentinianer 545und alle fälschlich so genannten Gnostiker, die mögen als Werkzeuge des Teufels von allen, die Gott verehren, erkannt werden. Nun und nicht früher sieht man, wie Satan durch diese Gott lästert, der das ewige Feuer für alle Apostasie bereitet hat. Denn offenkundig wagt er selbst nicht, seinen Herrn zu lästern, wie er auch im Anfang durch die Schlange den Menschen verführt hat, gleich als ob er Gott verborgen blieb. Treffend sagte Justinus, daß niemals vor der Ankunft des Herrn Satan gewagt hat, Gott zu lästern, da ihm seine Verdammnis noch nicht bekannt war, weil dies nur in Parabeln und Allegorien von den Propheten über ihn so verkündet var. Nach der Ankunft des Herrn aber erfuhr er aus den Worten Christi und der Apostel deutlich, daß das ewige Feuer dem bereitet ist, der mit freiem Willen von Gott sich abwendet, und allen, die ohne Buße in der Apostasie verharren. Durch solche Menschen nun lästert er den Gott, dem das Gericht zusteht, da er ja schon verdammt ist, und die Sünde seines Abfalls rechnet er seinem Schöpfer zu und nicht seinem eigenen Entschluß und Willen, wie die, welche die Gesetze übertreten und bestraft werden, nicht sich, sondern die Gesetzgeber anklagen. So schleudern auch die, welche voll des teuflischen Geistes sind, zahllose Anklagen gegen unsern Schöpfer, der den Geist des Lebens uns geschenkt hat und allen das passende Gesetz gegeben hat. Sie wollen das Gericht Gottes nicht als gerecht anerkennen. Deswegen erdenken sie sich auch einen andern Vater, der sich weder um unsere Angelegenheiten kümmert, noch sie leitet, ja sogar allen Sünden zustimmt.