§ 1
Welches aber die sogenannten fleischlichen Werke sind, hat er selber kundgetan, indem er die Bosheit der Ungläubigen voraussah, und hat sich selber erläutert, damit denen kein Ausweg offen blieb, die diese Frage ungläubig behandeln. Er spricht nämlich im Briefe an die Galater folgendermaßen: „Offenkundig aber sind die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, 499Unreinigkeit, Wollust, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streitigkeiten, Eifersucht, Zorn, Neid, Mißgunst, Kränkungen, Zwistigkeiten, Häresien, Haß, Trunkenheit, Völlerei und dergleichen, wovon ich euch verkünde, wie ich euch verkündet habe, daß die, welche solches tun, das Reich Gottes nicht besitzen werden. Ganz deutlich hat er somit für die, welche hören, verkündet, was es heißt: Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben. Die solches verüben, wandeln wahrhaft nach dem Fleische und können für Gott nicht leben. Andrerseits aber führt er die geistigen Taten auf, die den Menschen lebendig machen, die Einpfropfung des Geistes, indem er sagt: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freuds, Friede, Geduld, Güte, Milde, Glaube, Sanftmut, Enthaltsamkeit, Keuschheit; hiergegen ist nicht das Gesetz“. Ähnlich wie der, welcher sich gebessert und Frucht des Geistes hervorgebracht hat, auf jeden Fall wegen der Gemeinschaft mit dem Geiste gerettet wird, so kann der, welcher in den genannten Werken des Fleisches verbleibt, weil er den Geist Gottes nicht annimmt, mit Recht für fleischlich erachtet, das Himmelreich nicht besitzen. Das bezeugt wiederum der Apostel, indem er zu den Korinthern spricht: „Oder wisset ihr nicht, daß die Ungerechten das Reich Gottes nicht erben werden? Irret euch nicht, weder die Hurer, noch die Götzendiener, noch die Ehebrecher, noch die Weichlinge, noch die Knabenschänder, noch die Diebe, noch die Geizigen, noch die Trunkenbolde, noch die Verleumder, noch die Räuber werden das Reich Gottes besitzen. Und dies seid ihr gewesen, aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt im Namen des Herrn Jesu Christi und im Geiste unseres Gottes“. Auf das deutlichste zeigte er, wodurch der Mensch zugrunde geht, wenn er fortfährt, nach dem Fleische zu leben, und wodurch er wiederum gerettet wird. Das aber, was rettet, ist nach seinen Worten der Name unseres Herrn Jesu Christi und der Geist unseres Gottes.
§ 2
500Da er also dort die Werke des Fleisches, die ohne den Geist sind und den Tod einbringen, aufgezählt hat, so sagt er, dem Vorausgegangenen entsprechend, am Schlüsse des Briefes zusammenfassend: „Wie wir das Bild dessen, der von der Erde ist, getragen haben, so lasset uns das Bild dessen tragen, der vom Himmel ist. Denn das sage ich, Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht besitzen können“. Das Wort „Wie wir getragen haben das Bild dessen, der von der Erde ist“, gleicht dem andern: „Und dies seid ihr gewesen, aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt im Namen unseres Herrn Jesu Christi und im Geiste unseres Volkes.“ Wann haben wir also das Bild dessen getragen, der von der Erde ist? Doch dann, als die genannten Werke des Fleisches in uns vollbracht wurden. Wann aber das Bild des himmlischen Menschen? Doch damals, als es von uns hieß: Ihr seid abgewaschen, indem ihr glaubtet an den Namen des Herrn und seinen Geist empfinget. Abgewaschen aber ist uns nicht die Substanz des Leibes, noch das sichtbare Gebilde, sondern unser früherer Wandel der Eitelkeit. In den Gliedern also, in denen wir zugrunde gingen, weil wir Verderbliches taten, in ebendenselben werden wir auch lebendig gemacht, wenn wir die Werke des Geistes wirken.