§ 1
Und weil aus unserer Erde Adam gebildet wurde, läßt die Schrift den Herrn zu ihm sprechen: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst in die Erde, von der du genommen bist“. Wenn also in irgend eine andere Erde unsere Körper nach dem Tode zurückkehren würden, dann würden sie auch folgerichtig von dieser ihre Substanz haben. Kehren sie aber in diese zurück, dann ist offenbar aus ihr das Gebilde gemacht worden, wie auch der Herr kundgetan hat, indem er aus ebenderselben die Augen 517bildete. Nachdem also mit deutlicher Klarheit die Hand Gottes nachgewiesen, von der Adam und auch wir gebildet wurden, und da ein und derselbe Vater es ist, dessen Stimme vom Anfang bis zum Ende seinem Gebilde beisteht, und nachdem auch die Substanz unseres Gebildes von dem Evangelium deutlich dargetan worden ist, so darf man schon keinen anderen Vater als diesen suchen, noch eine andere Substanz für unsere Erschaffung als die, welche wir oben genannt und die der Herr kundgetan hat, noch eine andere Hand Gottes als die, welche vom Anfang bis zum Ende uns bildet und zum Leben anpaßt und ihrem Geschöpfe beisteht und es zum Bild und Gleichnis Gottes vollendet.
§ 2
Damals aber zeigte sich dieses Wort, als das Wort Gottes Mensch geworden ist, indem es sich dem Menschen und den Menschen sich assimilierte, damit der Mensch durch seine Ähnlichkeit mit dem Sohne kostbar werde. In den früheren Zeiten wurde gesagt, daß der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen sei, aber es wurde nicht gezeigt. Denn noch unsichtbar war das Wort, nach dessen Bilde der Mensch gemacht worden war. Deshalb verlor er auch so leicht die Ähnlichkeit Als aber das Wort Gottes Fleisch geworden war, befestigte es beides: Es zeigte das wahre Bild, indem, es das wurde, was sein Bild war; und es stellte die Ähnlichkeit sicher, indem es den Menschen dem unsichtbaren Vater durch das sichtbare Wort ähnlich machte.
§ 3
Doch nicht nur auf die genannte Weise offenbarte der Herr den Vater und sich, sondern auch durch sein Leiden. Er hob nämlich den im Anfang am Holze geschehenen Ungehorsam des Menschen auf, indem er „gehorsam wurde bis zum Tode, bis zum Tode aber des Kreuzes“. Den Ungehorsam am Holze heilte er durch den Gehorsam am Holze. Er wäre aber nicht denselben Weg gegangen, um den Ungehorsam gegen unseren Schöpfer aufzuheben, wenn er einen anderen Vater verkündet hätte. Da er jedoch durch das Holz, durch welches wir Gott nicht gehorcht und seinem Worte nicht geglaubt hatten, auch den Gehorsam und die Erfüllung 518seines Wortes einführte, so hat er doch offenbar hierdurch darauf hingewiesen, daß wir mit demselben Gott, den wir im ersten Adam beleidigt hatten, indem wir sein Gebot nicht hielten, in dem zweiten Adam versöhnt worden sind, indem wir gehorsam bis zum Tode wurden. Denn allein dessen Schuldner waren wir geworden, dessen Gebot wir im Anfang übertreten hatten.