§ 1
Daß sichtbar der Herr in sein Eigentum kommen und seine eigene Schöpfung, die von ihm getragen wird, ihn tragen werde, und daß er den Ungehorsam am Holze durch den Gehorsam am Holze rekapitulieren werde und jene Verführung aufheben, der so übel unterlag die Jungfrau Eva, die schon einem Manne bestimmt war — das ist trefflich von dem Engel der Jungfrau Maria, die auch schon in der Gewalt des Mannes war, verkündet worden. Wie nämlich jene durch die Rede eines Engels verführt wurde, sich Gott zu entziehen und seinem Worte sich zu verschließen, so empfing jene durch das Wort des Engels die Kunde, daß sie Gott tragen sollte, weil sie seinem Worte gehorsam war. War jene Gott ungehorsam, so folgte diese Gott willig, damit die Jungfrau Maria der Anwalt der Jungfrau Eva wurde. Und wie das Menschengeschlecht durch eine Jungfrau mit dem Tode behaftet wurde, so wird es auch gerettet 525durch eine Jungfrau. Gleichmäßig aufgewogen wurde der Ungehorsam der Jungfrau durch den Gehorsam der Jungfrau. Weiterhin wurde die Sünde des ersten Menschen durch die Bestrafung des Erstgeborenen ausgeglichen und die Klugheit der Schlange besiegt durch die Einfalt der Taube, und gelöst wurden die Bande, durch die wir mit dem Tode verbunden waren.
§ 2
Unverständig sind alle Häretiker: Unbekannt ist ihnen die Heilsordnung Gottes und fremd die Heilsordnung mit dem Menschen. Blind für die Wahrheit, sprechen sie wider ihr eigenes Heil. Die einen führen einen anderen Vater ein als den, welcher die Welt gemacht hat; die anderen lassen die Welt und ihre Substanz von gewissen Engeln gemacht sein; wieder andere sagen, daß letztere ganz weit von ihrem Vater von selbst aufgeblüht und aus sich selbst entstanden sei, noch andere, daß die Welt im Innern des Vaters aus dem Fehltritt und der Unwissenheit ihre Wesenheit empfangen habe. Andere hinwieder verachten offenkundig die Ankunft des Herrn, indem sie seine Menschwerdung leugnen. Wieder andere verkennen die Heilsordnung der Jungfrau und lassen ihn von Joseph erzeugt sein. Noch andere sagen, daß weder Seele noch Leib, sondern nur der innere Mensch das ewige Leben aufnehmen könne; das aber sei der Verstand in ihnen, der allein nach ihrer Behauptung zum Vollkommenen emporsteigen könne. Nach anderen wieder, wie wir im ersten Buch gezeigt haben, nimmt nur der Leib an dem Heile Gottes nicht teil, wenn auch die Seele gerettet wird. Dort haben wir ja ihre Lehren alle aufgezählt, wie wir im zweiten ihre Schwäche und Haltlosigkeit dargetan haben.