§ 1
Nachdem also die Valentinianer widerlegt worden sind, ist auch die gesamte Menge der Häretiker zu Falle gebracht. Wir haben inbetreff des Pleroma und dessen, was außer ihm ist, gezeigt, daß der Allvater von dem, was außer ihm ist, wenn es überhaupt etwas Derartiges geben könnte, eingeschlossen und begrenzt wird, und daß es notwendig viele Väter und viele Pleromata und viele Weltschöpfungen geben müßte, die nach allen Seiten hin einen Anfang und ein Ende haben müßten, daß jeder in seinem Gebiet verweilen und sich um die andern nicht kümmern dürfe, da es zwischen ihnen keine Teilnahme und Verbindung gibt, daß keiner der Gott aller übrigen sei, und daß der Allmächtige dann nur ein leerer Name sei. All das läßt sich auch gegen die Anhänger des Markion, Simon, Menander und der übrigen anwenden, welche die sichtbare Schöpfung dem Vater nicht zuschreiben wollen. — Wir widerlegten weiter jene, die den Vater zwar alles umfassen ließen, aber die sichtbare Schöpfung nicht ihm zuschrieben, sondern irgend einer andern Kraft oder Engeln, die den Urvater nicht kannten, die die Schöpfung in dem Mittelpunkt des ungeheuer großen Universums wie einen Schmutzflecken im Mantel darstellten; wir zeigten, daß unmöglich ein anderer als der Vater des Weltalls die sichtbare Schöpfung gemacht haben könne. Diese Darlegungen richten sich ähnlich auch gegen die Anhänger des Saturninus, Basilides, Karpokrates und der übrigen Gnostiker, die dasselbe auf ähnliche Weise sagen. Unsere Ausführungen über die Äonen, ihre Abstufungen und die Haltlosigkeit ihrer Mutter richten sich auch gegen Basilides und die übrigen fälschlich so genannten Gnostiker, die mit ähnlichen Worten dasselbe sagen und nur 195die Zahl der Irrtümer in ihrer Lehre noch vermehrt haben. Was wir in Betreff der Zahlen ausgeführt haben, läßt sich gegen alle sagen, die mit der Wahrheit ähnlichen Unfug treiben. Und wenn wir von dem Demiurgen zeigten, daß er allein Gott und Vater des Weltalls ist, und was darüber in den nächsten Büchern noch folgen wird, das sage ich gegen alle Häretiker. — Du aber wirst die milderen und gemäßigteren unter den Häretikern davon abzubringen wissen, daß sie ihren Urheber, Schöpfer, Ernährer und Herrn nicht lästern und aus dem Fehltritt und der Unwissenheit entsprungen sein lassen; die trotzigen, wilden und unvernünftigen jedoch wirst Du Dir fernhalten und ihr Geschwätze nicht länger ertragen.
§ 2
Die Anhänger des Simon, Karpokrates und, wer sonst noch Zeichen wirken soll, die werden überführt werden, daß sie dies nicht durch die Kraft Gottes, noch in Wahrheit, noch zum Nutzen der Menschen verrichten, sondern zu ihrem Verderben und ihrer Irreführung, indem sie denen, welche ihnen glauben, durch magische Künste und allerlei Betrügereien mehr Nachteil als Nutzen bringen. Können sie Blinden das Gesicht, Tauben das Gehör wiedergeben, können sie andere Dämonen austreiben als höchstens die, welche sie selbst eingetrieben haben? Können sie Schwache, Lahme, Gichtbrüchige oder andere Kranke heilen, wenn es erforderlich ist bei irgend einem körperlichen Gebrechen, oder die Gesundheit wiederherstellen bei solchen Krankheiten, die von außen kommen? Unser Herr und die Apostel haben durch das Gebet Tote auferweckt, und unter unsern Brüdern ist sehr häufig wegen irgend einer Not, wenn die gesamte Kirche unter Fasten und vielem Beten darum flehte, der Geist des Toten zurückgekehrt und das Leben dem Menschen auf das Gebet der Heiligen geschenkt worden. Sie aber sind so weit davon entfernt, dies zu vermögen, dass sie nicht einmal glauben, es zu können. Vielmehr behaupten sie, die Auferstehung von den Toten sei nichts anders als die Erkenntnis ihrer sogenannten Wahrheit.
§ 3
Bei ihnen also findet man Irrtum, Verführung und gottlose Zauberkunststücke für die Schaulust der 196Menschen, bei uns aber wird Mitleid, Erbarmen, Treue und Wahrheit den Menschen zum Tröste geübt, nicht bloß ohne Entgelt und umsonst, sondern wir geben noch das Unsrige hin für das Heil der Menschen und reichen denen, welche von uns geheilt werden, wenn sie wie gewöhnlich nichts haben, das was sie brauchen. In der Tat, so werden sie durch den Augenschein als solche bloßgestellt, die von der göttlichen Wesenheit und Güte Gottes und geistiger Kraft himmelweit entfernt sind, aber mit jeglichem Betruge, dem Geiste des Abfalls, dämonischer Kraft und teuflischer Zauberei völlig erfüllt sind. Sie sind wahrlich Vorläufer jenes Drachen, der durch solche Zaubereien „den dritten Teil der Sterne mit seinem Schwänze niederreißen und zur Erde hinabstürzen wird“. Ähnlich also wie diesen muß man jene fliehen, und je größere Zaubereien man ihnen nachsagt, um so mehr muß man sich vor ihnen hüten, als hätten sie einen um so größeren Geist der Bosheit empfangen. Wer deshalb ihren täglichen Lebenswandel beobachtet, wird finden, daß er der gleiche wie bei den Dämonen ist.