§ 1
Auch in betreff jenes Weibes, das am Blutfluß leidend den Rocksaum berührte und geheilt wurde, sind sie offenkundig im Irrtum. Dieses Weib soll ja die zwölfte Kraft bedeuten, den zwölften Äonen, der in Irrtum geriet und sich ins Unendliche ausdehnte. Erstlich ist nämlich jener Äon gar nicht der zwölfte, wie wir gezeigt haben. Zum Überfluß aber auch dies ihnen zugegeben, so sollen von den zwölf Äonen elf zwar ohne Leiden geblieben sein, der zwölfte aber nicht. Das Weib hingegen war elf Jahre krank und wurde erst im zwölften Jahre geheilt. Wenn nun umgekehrt die elf Äonen unheilbar krank gewesen und der zwölfte geheilt worden wäre, dann könnte man noch mit einiger Wahrscheinlichkeit das Weib ihr Abbild nennen. Weil sie aber elf Jahre krank war und nicht geheilt wurde und erst im zwölften Jahre geheilt wurde, darum ist es unmöglich, darum kann sie nicht das Abbild des zwölften Äonen sein, der allein in Leiden geriet, während die übrigen elf überhaupt nicht gelitten haben. Der Wesenheit 165und Beschaffenheit nach kann ja bisweilen das Abbild vom Urbild verschieden sein, in dem Äußeren aber und in den Grundzügen muß immer die Ähnlichkeit bestehen und den Vergleichungspunkt für beide hergeben.
§ 2
Doch nicht bei diesem Weibe allein ist angegeben, wie viele Jahre sie krank war, welche Jahre denn gerade zu ihrem Luftgebilde passen sollen, sondern es wurde auch ein Weib geheilt, das achtzehn Jahre krank war, von welcher der Herr sagt: „Diese Tochter Abrahams aber, die Satan achtzehn Jahre gebunden hielt, sollte am Sabbate nicht gelöst werden?“ War also jenes Weib ein Abbild des zwölften Äonen, dann muß diese das Abbild des achtzehnten Äonen sein. Doch so viele gibt es nicht, sonst müßte ihre Haupt- und Urachtheit den leidenden Äonen hinzugezählt werden. Und da noch einer geheilt wurde, der achtunddreißig Jahre krank war, so müßten sie auch noch einen achtunddreißigsten leidenden Äonen haben. Wenn nämlich alle Handlungen des Heilandes ein Abbild von den Vorgängen im Pleroma sein sollen, dann muß man auch dabei bleiben. Sie können nun weder die nach achtzehn Jahren noch den nach achtunddreißig Jahren Geheilten ihrer Dichtung anpassen. Unklug und ungereimt ist es aber, zu sagen, daß der Heiland in einigen Fällen das Abbild gewahrt und in anderen nicht gewahrt habe. Also besteht zwischen dem Abbild des Weibes und den Vorgängen bei den Äonen bewiesenermaßen keine Ähnlichkeit.