§ 1
Wenn aber die zwölf Apostel nur ein Abbild jener zwölf Äonen sein sollen, die der Anthropos mit der Ekklesia hervorgebracht hat, dann müßten auch die übrigen zehn Äonen, die vom Wort und Leben hervorgebracht wurden, ihr Abbild in anderen zehn Aposteln haben. Denn unvernünftig ist es, daß die jüngeren und deshalb minderen Äonen vom Heiland durch die Auswahl der Apostel angezeigt wurden, die älteren und deswegen besseren aber nicht, da der Erlöser, wenn er schon die Apostel erwählte, um durch sie die Äonen des Pleroma anzuzeigen, auch andere zehn Apostel hätte erwählen können und vor diesen auch andere acht, um durch die vorbildliche Zahl der Apostel auch die Haupt- und Urachtheit anzuzeigen, aber nicht ein Vielfaches von zehn. Denn nach den zwölf Aposteln hat unser Herr noch bekanntlich siebzig andere vor sich her gesandt. Siebzig aber kann weder von acht noch von zehn noch von dreißig das Abbild sein. Was ist also der 158Grund dafür, daß die minderen Äonen, wie gesagt, durch die Apostel angedeutet werden, nicht aber die vorzüglicheren, aus denen diese entstanden sind? Sind die zwölf Apostel deswegen erwählt, daß sie die Zwölfzahl der Äonen anzeigen, dann müßten auch die siebzig als Abbild von siebzig Äonen erwählt sein, so daß sie nicht mehr von dreißig, sondern von zweiundachtzig reden müssen. Wer nämlich wegen des Abbildes der im Pleroma befindlichen Äonen die Apostel auswählt, der muß sich schon konsequent bleiben, für alle Apostel das Vorbild beibehalten und sie als den Typus der Äonen des Pleroma nachweisen.
§ 2
Doch darf man auch Paulus nicht übergehen, sondern muß sie fragen, als Abbild welches Äonen denn dieser Apostel uns überliefert wurde. War er vielleicht das Abbild ihres zusammengesetzten Erlösers, zu dem alle etwas beitrugen, so daß er auch das All genannt wird, weil er etwas von allem hat? Wie ihn gar prächtig der Dichter Hesiod gezeichnet hat, indem er ihn Pandora, d. h. Geschenk aller, nannte, weil von allen die beste Gabe in ihm niedergelegt war. Und hiermit hat es folgende Bewandtnis: Hermes, wie es im griechischen Texte heißt,
Αἱμυλίους τε λόγους καὶ ἐπίκλοπον ἦθος
Ἐς αὐτοὺς κάτθετο oder auf deutsch:
Trug und täuschende Worte und heimlichen Wandel
Legte er nieder in sie,
um die törichten Menschen zu verführen, daß sie ihren Hirngespinsten glauben möchten. Leto nämlich, ihre Mutter, bewog heimlich ohne Wissen des Demiurgen die Äonen, tiefe und unaussprechliche Geheimnisse denen zu verkünden, welchen die Ohren juckten. Und nicht allein durch Hesiod hat ihre Mutter dies Geheimnis verkünden lassen, sondern auch sehr weise durch den Dichter Pindar. Pelops, dessen Fleisch ohne Wissen des Demiurgen von seinem Vater in Stücke gehackt, von allen Göttern aber gesammelt, zusammengetragen und 159zusammengesetzt wurde, bezeichnet auch die Pandora. Von dieser betört, reden sie ebendasselbe, derselben Art und Gesinnung wie jene.