§ 1
Kehren wir jedoch zurück zu der angeschnittenen Emanationsfrage! Erstens mögen sie uns den Grund 136für derartige Äonenemanationen angeben, da diese zu der Schöpfung doch in keiner Beziehung stehen. Nicht sollen sie wegen der Schöpfung geworden sein, sondern die Schöpfung um ihretwillen; sie seien nicht die Abbilder von jenen, sondern vielmehr umgekehrt, wie sie ja behaupten, der Monat habe dreißig Tage wegen der dreißig Äonen, und der Tag habe zwölf Stunden ebenso wie das Jahr zwölf Monate wegen der zwölf Äonen im .Pleroma, und was weiter derartiger Unsinn ist. Nun also, welches ist denn der Grund dieser Äonenemanation, warum es gerade so geschehen ist, warum zu allererst und ursprünglich die Achtheit ausgesandt wurde und nicht die Fünfheit oder die Dreiheit oder die Siebenheit oder irgend eine andere Zahlenkonstellation. Warum sind denn aus dem Logos und der Zoe grade zehn Äonen hervorgegangen und nicht mehr oder minder? Und aus dem Menschen und der Kirche hinwiederum grade zwölf, da es doch ebenso gut mehr oder weniger hätten sein können?
§ 2
Warum ist ferner das gesamte Pleroma dreifach in eine Achtheit, Zehnheit und Zwölfheit gerade eingeteilt und nicht in irgend eine andere Zahl? Und warum gerade drei Teile und nicht vier oder fünf oder sechs oder sonst irgend wie viele? Die in der Schöpfung auftretenden Zahlen können sie ja nichts angehen, da die Schöpfung doch erst später hinzugekommen ist und diese Zahlen doch einen besonderen Grund haben müssen, der vor der Schöpfung liegt und nicht in ihr, damit eine Harmonie erzielt werde.
§ 3
Wir können nämlich von einer Harmonie sprechen, wenn wir von dem ausgehen, was bereits erschaffen ist; sie aber vermögen in dem, was vorher war und aus sich selbst erschaffen wurde, keinen besonderen Grund anzugeben und geraten somit notwendigerweise in die höchste Verlegenheit. Sie befragen uns, als ob wir Ignoranten wären, über die Schöpfung — und wenn sie über ihr Pleroma befragt werden, dann erzählen sie uns von menschlichen Affekten oder steigen zu einem Gerede hinab, das die Gründe in der Schöpfung sucht. Nicht in Betreff ihres Urgrundes geben sie uns Antwort, sondern über 137das, was darauf folgte. Und doch fragen wir sie nicht über die Harmonie in der Schöpfung noch über irgend welche menschlichen Affekte. Soll also ihr Pleroma, dessen Abbild die Schöpfung ist, acht und zehn und zwölf Gestalten haben, dann müssen sie zugeben, daß ihr Vater töricht und unklug diese Gestalten gemacht habe, und so ihren Vater verunehren, wenn er etwas ohne Grund gemacht hat. Wenn sie hingegen behaupten, daß wegen der Voraussicht des Vaters behufs guter Übereinstimmung mit der Schöpfung ihr Pleroma so gestaltet worden sei, dann ist ja das Pleroma nicht mehr seiner selbst willen gemacht, sondern wegen des Bildes, das nach seiner Ähnlichkeit gemacht werden sollte, wie das Tonbild nicht seiner selbst wegen hergestellt wird, sondern wegen des ehernen oder goldenen oder silbernen Standbildes, Dann aber ist die mehr wert als das Pleroma, wenn dieses ihretwegen erschaffen wurde.