Basilius von Cäsarea · Regulae brevius tractatae · Buch 3 · Kapitel 13
191 Ob der nach der Taufe in viele Sünden Gefallene an seiner Rettung verzweifeln müsse, oder ob er nach dem Maße seiner Buße auf Gottes Güte hoffen dürfe.
Antwort. Könnte man die Menge der Erbarmungen Gottes zählen und die Größe der Erbarmungen Gottes messen nach Maßgabe der Menge und Größe der Sünden, dann müßte man alle Hoffnung fahren lassen. Können diese aber, wie bekannt, sowohl gezählt als auch gemessen werden, die Barmherzigkeit Gottes hingegen und seine Erbarmungen weder gemessen noch gezählt werden, so ist keine Gelegenheit zur Verzweiflung, sondern zur Anerkennung der Barmherzigkeit und zur Verabscheuung der Sünden, deren Vergebung, wie geschrieben steht, im Blute Christi vorliegt. Daß wir aber nicht verzweifeln sollen, darüber werden wir an vielen Stellen und vielfach belehrt, vorzüglich aber durch das Gleichniß unsers Herrn Jesus Christus von jenem Sohne, der das väterliche Erbe nahm und in Sünden vergeudete. Weß großen und herrlichen Festes seine Bekehrung gewürdigt wurde, haben wir aus den Worten des Herrn selbst kennen gelernt. Aber auch durch Isaias sagt Gott: „Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, so will ich sie weiß machen wie Schnee; und wenn sie wie Purpur sind, so will ich sie weiß machen wie Wolle.“ Wir müssen wissen, daß Dieses nur dann wahr ist, wenn die Buße aus einer die Sünde verabscheuenden Gesinnung geschieht, wie im alten und neuen Testamente geschrieben steht, und wenn die Frucht würdig ist, wie in der Frage hierüber gesagt worden ist.