Basilius von Cäsarea · Regulae brevius tractatae · Buch 3 · Kapitel 92
Da der Herr die Güter zu verkaufen befiehlt, in welcher Gesinnung muß man Das thun, entweder weil die Güter von Natur aus schädlich sind, oder weil durch sie die Seele von Gott abgezogen wird?
Antwort. Darauf läßt sich zuerst sagen, daß keines der Güter, wäre es an sich böse, von Gott würde geschaffen sein; „denn Alles, was Gott erschaffen hat,“ heißt es, „ist gut und nicht verwerflich;“ und zweitens, daß das Gebot des Herrn keineswegs lehrt, die Güter als böse wegzuwerfen und zu fliehen, sondern sie recht zu gebrauchen. Auch wird Keiner verdammt, weil er überhaupt Güter besessen, sondern weil er über sie verkehrt dachte oder sie nicht gut anwandte. Denn eine leidenschaftlose und gesunde Ansicht von ihnen und ein dem Gebote entsprechender Gebrauch ist uns zu Vielem und zwar dem Nothwendigsten nützlich: bald zur Reinigung von unseren persönlichen Sünden, weßwegen geschrieben steht: „Übrigens gebet von Dem, was übrig ist, Almosen, und siehe, Alles ist euch rein;“ bald 237 um das Himmelreich zu erben und einen Schatz zu erlangen, der nicht abnimmt, wie an einem anderen Orte gesagt ist: „Fürchte dich nicht, du kleine Heerde, denn es hat euerm himmlischen Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Verkaufet, was ihr habt, und gebet Almosen, bereitet euch Beutel, die nicht veralten, einen Schatz im Himmel, der nicht abnimmt!“