Basilius von Cäsarea · Regulae brevius tractatae · Buch 3 · Kapitel 20
Soll ein Sünder die Gesellschaft Andersgläubiger sowohl als auch derer, die einen schlechten Lebenswandel führen, vermeiden?
Antwort. Da der Apostel sagt: Entziehet euch jedem Bruder, der unredlich wandelt und nicht nach der Überlieferung, die ihr von uns empfangen habt;“ so ist überhaupt für Jeden jede Theilnahme an jeder verbotenen 196 Sache, in Gedanken, Worten und Werken schädlich und gefährlich. Die in Sünden sich Befindenden müssen aber um so mehr auf ihrer Hut sein, erstens, weil die an die Sünde gewöhnte Seele meistens mehr dazu geneigt ist, dann, weil, gleichwie die Leiber der Kranken einer sorgfältigeren Pflege bedürfen, so daß oft Das, was für die Gesunden heilsam ist, versagt wird, ebenso auch die an der Seele Kranken eine weit größere Wachsamkeit und Sorgfalt nöthig haben. Wie groß aber der Schaden ist, der aus dem Umgange mit Sündern entsteht, zeigt der Apostel in folgendem Satze, in dem er sagt: „Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“ Wenn aber Diejenigen, welche in dem Sittlichen fehlen, so sehr schädlich sind, was soll man erst von Jenen sagen, die über Gott verkehrt denken, und die diese verkehrte Ansicht auch in dem Übrigen nicht gesund sein läßt, da sie sich in Folge dessen einmal den schädlichen Lastern hingegeben haben, wie an vielen Stellen gezeigt wird, besonders aber in Dem, was im Briefe an die Römer über Einige in folgender Weise gesagt ist: „Und wie sie es nicht werth achteten, Gott zu haben in der Erkenntniß, überließ sie Gott dem verwerflichen Sinne, zu thun, was sich nicht ziemt; sie wurden erfüllt mit jeder Ungerechtigkeit, mit Hurerei, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit; voll Neid, Mord, Zank, Arglist, Bösartigkeit; sie wurden Ohrenbläser, Verleumder, Gott verhaßt, übermüthig, stolz, prahlerisch, erfinderisch im Bösen, ungehorsam den Eltern, vernunftlos, unbändig, lieblos, treulos, unbarmherzig; sie, welche, nachdem sie die Gerechtigkeit Gottes erkannt hatten, nicht einsahen, daß die, welche Solches thun, den Tod verdienen, und nicht allein Die, welche Solches thun, sondern auch Die, welche Denen beistimmen, die es thun.“