Basilius von Cäsarea · Regulae brevius tractatae · Buch 3 · Kapitel 79
[Forts. v. 229 ] Wer sich beständig anklagt, daß er gegen seinen Bruder hart verfahre, wie ist Der zu bessern?
Antwort. Dieser Umstand rührt her, wie ich aus ihm selbst schließe, entweder von einer übermäßig stolzen Einbildung oder von der Trauer über die Sünden Derer, die gut handeln sollten. Denn erwartet man etwas Gutes, und es erfolgt Entgegengesetztes und Betrübendes, so wird die Seele davon um so heftiger ergriffen. Es fordert aber eine um so größere Sorgfalt, daß wir im ersten Falle die Leidenschaft des Stolzes zähmen und, ist es der zweite Fall durch Zusprechen und Ermahnen Barmherzigkeit zeigen, bevor es zum Unwillen kommt. Zeigt sich dann aber diese Art der Heilung unwirksam wegen der der Leidenschaft zu Grunde liegenden Bosheit, dann erst sollen wir die Heftigkeit des Unwillens gepaart mit Mitleiden zum Nutzen und zur Besserung des Sünders zur rechten Zeit und mit Vernunft anwenden.