Basilius von Cäsarea · Regulae brevius tractatae · Buch 3 · Kapitel 28
[Forts. v. 200 ] Wenn Jemand, der kühn und ausgelassen antwortet und, darüber zur Rede gestellt, sagt, er habe nichts Böses im Herzen; ob Dem zu glauben.
Antwort. Nicht alle Fehler der Seele sind Allen offenbar, nicht einmal selbst Demjenigen, der damit behaftet ist, ebenso wenig wie die Gebrechen des Leibes. Wie nun die Kundigen ein dem Leibe gewisse Zeichen von den verborgenen Krankheiten haben, die selbst der Kenntniß der Kranken entgehen; so muß man auch bei der Seele, auch wenn der Sünder seine Krankheit nicht kennt, dem Herrn glauben, der ihm sowohl als denen, die mit ihm umgehen, versichert, daß der böse Mensch aus dem bösen Schatze seines Herzens das Böse hervorbringt. Wohl heuchelt der Böse oft ein gutes Wort oder eine gute Handlung; dagegen ist es unmöglich, daß der Gute etwas Böses heuchle. „Befleissiget euch des Guten,“ heißt es, „nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen.“