Wäre nun der Sohn ein gemachtes Wesen, so wäre richtig auch bei ihm der Vater später. Ist aber der Sohn kein gemachtes Wesen, dann ist der Vater immer und immer auch der Sohn. Wenn aber der Sohn immer ist, so ist er wohl das Wort. Sollte aber das Wort nicht Sohn sein und sollte das einer zu bestreiten wagen, so nennt er entweder das Wort Vater oder er setzt den Sohn über das Wort. Denn wenn der Sohn im Schoße des Vaters ist, dann kann unmöglich das Wort vor dem Sohne existieren — denn nichts ist vor dem, der im Vater ist —, oder aber ist das Wort, wenn vom Sohne verschieden, dann wohl der Vater, in dem der Sohn ist. Ist aber das Wort nicht Vater, sondern Wort, so ist wohl das Wort außerhalb des Vaters, da der Sohn im Schoße des Vaters ist. Denn nicht beide Wesen, das Wort und der Sohn, sind im Schoße, sondern Einer muß es sein und zwar der Sohn, der eingeboren ist. Und wiederum, wenn ein anderer das Wort ist und ein anderer der Sohn, dann wird man den Sohn höher stehend als das Wort finden. Denn niemand erkennt den Vater als nur der Sohn, nicht das 362 Wort. Entweder kennt also das Wort ihn nicht, oder aber kennt er ihn, und dann sind die Worte: „Niemand kennt“ eine Lüge. Das nämliche gilt auch von dem Ausspruch: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“, und: „Ich und der Vater sind Eins“. Denn das sind nach ihrer Ansicht Worte des Sohnes und nicht des Wortes. Es erhellt dies aber auch aus den Evangelien. Denn nach Johannes sagt der Herr: „Ich und der Vater sind Eins. Da hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen. Jesus entgegnete ihnen: Ich habe euch viele gute Werke von meinem Vater gezeigt, um welches dieser Werke willen steinigt ihr mich? Die Juden antworteten ihm: Wir steinigen Dich nicht eines guten Werkes wegen, sondern um der Gotteslästerung willen, weil Du Dich selbst zu Gott machst, da Du ein Mensen bist. Jesus antwortete ihnen: Steht nicht in euerm Gesetze geschrieben: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter? Wenn er diejenigen Götter nannte, an welche die Rede Gottes ergangen ist, und die Schrift nicht aufgehoben werden kann, wie saget ihr zu dem, den der Vater geheiliget und in die Welt gesandt hat: Du lästerst Gott! weil ich gesagt habe: Ich bin der Sohn Gottes? Tu ich die Werke meines Vaters nicht, so möget ihr mir nicht glauben; tu ich sie aber, so glaubet den Werken, wenn ihr mir nicht glauben wollet, damit ihr erkennet und glaubet, daß der Vater in mir ist und ich in dem Vater“. Doch, wie man offenbar erkennen muß, hat er nicht gesagt: „Ich bin Gott“, noch auch: „Ich bin Gottessohn“, sondern: „Ich und der Vater sind Eins“.