Wenn aber die Schrift vielfach auch den Leib Christus [den Gesalbten] nennt, wie wenn der selige Petrus zu Kornelius spricht und ihn belehrt über “Jesus von Nazareth, den Gott mit dem Hl. Geiste salbte”, und wieder zu den Juden von “Jesus, dem Nazarener, einem Mann, von dem Gott auch Zeugnis gab”, redete, und wieder der selige Paulus zu den Athenern: “Durch einen Mann, den er dazu bestimmte und dem er bei allen Glauben verschaffte, indem er ihn von den Toten 385 auferweckte”, so finden wir vielfach, daß die Darstellung und Sendung dasselbe ist wie die Salbung. Hieraus kann jeder, wenn er nur will, ersehen, daß in den Aussprüchen der Heiligen kein Widerspruch obwaltet, sondern daß sie nur in verschiedener Weise die Einigung Gottes des Wortes mit dem Menschen aus Maria benennen, und sie also bald als Salbung, bald als Sendung und ein andermal als Darstellung bezeichnen. Das Wort des seligen Petrus ist also richtig und verkündet deutlich die Gottheit des Eingeborenen, ohne die Wesenheit Gottes des Wortes von dem Menschen aus Maria zu scheiden. Das sei ferne! Denn wie könnte er es, der oft vernahm: “Ich und der Vater sind Eins”, und: “Wer mich gesehen, hat den Vater gesehen”, und denselben auch nach der Auferstehung sah, als er bei verschlossenen Türen inmitten des ganzen Apostelkreises erschien und, wenn irgendein Zweifel daran laut wurde, ihn löste mit den Worten: “Rühret mich an und sehet! Denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich es habe”? Er sagte nicht “diesen” oder “meinen Menschen, den ich angenommen habe”, sondern “mich”. Daher kann der Samosatener keine Nachsicht finden, da er so vielfach die Einigung Gottes des Wortes bewiesen und sich widerlegt sieht, und zwar auch von Gott dem Worte selbst, der, wie wir eben gesehen, mit allen ein Gespräch anknüpft und sie vergewissert, indem er ißt und sich berühren läßt, was ja auch wirklich geschehen ist. Denn gewiß hat der, der ihm die Speise darbot, bzw. haben die, welche sie ihm darreichten, seine Hände berührt. Es heißt nämlich: “Sie legten ihm ein Stück von einem gebratenen Fisch und einen Honigkuchen vor, und als er vor ihren Augen gegessen hatte, nahm er die Überreste und gab sie ihnen zurück. Sieh also, er verschaffte ihnen, wenn auch nicht so wie bei Thomas, so doch auf eine andere Weise Gewißheit, indem er sich berühren ließ. Wolltest du 386 aber auch die Wundmale sehen, so lerne von Thomas. Es heißt nämlich:”Reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und lege deinen Finger herein und sieh meine Hände!" Seine eigene Seite und seine Hände nennt Gott das Wort und gibt sich als Ganzes, als Mensch und Gott zugleich, zu erkennen, da eben hier das Wort, wie man ersehen kann, den Heiligen auch die sinnliche Empfindung im Leibe darbot, indem es bei verschlossenen Türen eindrang und plötzlich mit seinem Leibe zugegen war und ihnen die Gewißheit verschaffte. Das sei den Gläubigen zur Befestigung und den Ungläubigen zur Besserung in passender Weise gesagt.