358 Vielleicht haben sie das von den Stoikern übernommen, die behaupten, daß Gott sich zusammenziehe und mit der Schöpfung wieder ausdehne und ohne Ende ruhe. Denn was sich erweitert, erweitert sich aus der Enge, und was sich ausdehnt, dehnt sich aus, nachdem es zuvor zusammengezogen war. Und es ist dasselbe und erfährt nichts weiter als ein Leiden. Wenn nun die Einheit durch Erweiterung eine Dreiheit geworden ist, die Einheit aber der Vater ist, die Dreiheit aber Vater, Sohn und Hl. Geist, dann hat fürs erste die Einheit in der Erweiterung ein Leiden erfahren und ist geworden, was sie nicht war; denn sie, die nicht weit war, wurde erweitert. Sodann ist, wenn die Einheit selbst zur Dreiheit erweitert wurde, die Dreiheit aber Vater, Sohn und Hl. Geist ist, derselbe Vater, Sohn und Hl. Geist geworden, wie Sabellius denkt, außer es wäre die von ihm genannte Einheit etwas anderes als der Vater. Dann hätte man nicht mehr von einer Erweiterung sprechen sollen, sondern sagen müssen, die Einheit sei schöpferische Ursache für drei, so daß sie [zunächst] Einheit ist, nachher Vater, Sohn und Geist. Denn wenn diese sich erweiterte und ausdehnte, so ist sie wohl selbst, was sich ausdehnte. Und eine erweiterte Dreiheit ist keine Einheit mehr. Als Einheit aber war sie noch keine Dreiheit. Denn da der Vater war, war noch nicht der Sohn und Geist; ist er aber dies geworden, dann ist er nicht mehr bloß Vater. Eine solche falsche Behauptung aber kann wohl nur der aufstellen, der von einem Leibe Gottes redet und ihn als leidensfähig hinstellt. Denn was bedeutet Sicherweitern anders als ein Leiden dessen, der sich erweitert. Oder was ist das, was sich erweitert, anders, als was zuvor 359 nicht so, sondern enge war. Denn es ist das nämliche und nur der Zeit nach verschieden.