Es sind also auch im Alten Testament Stellen enthalten, in denen offenbar vom Sohne die Rede ist, obschon es überflüssig ist, darüber zu streiten. Denn wenn das, was im Alten Testament nicht vorkommt, neueren Datums ist, dann sollen diese Zanksüchtigen sagen, wo im Alten Testament vom Tröster-Geist die Rede ist. Vom Heiligen Geist wird wohl geredet, vom Tröster nirgends. Ist also der Heilige Geist ein anderer, und der Tröster ein anderer, und ist der Tröster jünger, da er im Alten Testament nicht vorkommt? Doch nein, man nenne nicht den Geist jünger oder teile ihn, und nenne den Heiligen Geist einen andern und den Tröster einen andern. Denn der Geist ist ein und derselbe, der damals die, die ihn aufnahmen, heiligte und auch jetzt heiligt und tröstet, so wie auch ein und dasselbe Wort Sohn ist, der auch damals die Würdigen zur Sohnschaft erhob. Denn es gab auch im Alten Testament Söhne, die nur eben durch den Sohn zu Kindern gemacht wurden. Denn wenn er nicht auch vor Maria Gottessohn war, wie ist er denn vor allen, wenn vor ihm Söhne waren? Wie wäre er ferner Erstgeborener, wenn er als zweiter hinter vielen befunden wird? Doch weder er Tröster ist der zweite — denn er war vor allen —, noch ist der Sohn jünger — denn 379 „im Anfang war das Wort“. Und wie der Geist und der Tröster ein und dasselbe ist, so ist auch ein und dasselbe der Sohn und das Wort. Und wie der Heiland vom Geiste sagt: „Der Tröster, der Hl. Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird“, wobei er ihn als ein und denselben bezeichnet und nicht teilt, so sagt Johannes in ähnlicher Weise: „Und das Wort ist Fleisch geworden und es hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen als des Eingeborenen vom Vater“. Denn auch hier trennte er nicht, vielmehr verkündete er hier die Gleichheit. Und wie nicht ein anderer der Tröster und ein anderer der Hl. Geist, vielmehr sie ein und dasselbe sind, so ist nicht ein anderer Wort und ein anderer Sohn, sondern das Wort ist der Eingeborene. Denn nicht von einer Herrlichkeit des Fleisches, sondern des Wortes sprach er. Wer also Wort und Sohn zu trennen wagt, der soll auch Geist und Tröster trennen. Ist aber der Geist untrennbar, dann ist untrennbar auch das Wort, welches eben Sohn, Weisheit und Kraft ist. Daß aber der Ausdruck „geliebt“ dem Ausdruck „eingeboren“ gleichkommt, das wissen auch die in den Wortbedeutungen kundigen Griechen. Es spricht nämlich Homer über Telemach, den Sohn des Odysseus, der sein Eingeborener war, im zweiten Gesang der Odyssee also aus:
Wie doch, o trautestes Kind, wie kam ein solcher Gedanke Dir in das Herz? Was willst du hinausgehen weit in die Ferne, Einziger Sohn und geliebter? In weitentlegenem Lande Starb ja der Heimat fern der erhabene Herrscher Odysseus.
Der also des Vaters „einziger“ ist, heißt „Geliebter“.