Es wird sich aber zeigen, daß sie dasselbe sich dem Vater gegenüber erlauben. Denn wenn er schweigend nicht wirken konnte, so muß er zeugend, d. h. redend, Kraft erst angenommen haben. Und woher hat er sie empfangen und warum? Wenn er aber mit dem Worte in sich schaffen konnte, dann zeugt er unnötig, da er auch schweigend wirken konnte. Ferner, wenn das Wort vor seiner Zeugung in Gott war, dann war es also nach der Zeugung außerhalb und nicht in Gott. Wenn aber dem so ist, wie kann es jetzt sagen: „Ich im Vater und der Vater in mir“? Wenn es aber jetzt im Vater ist, dann war es ja immer im Vater, so wie es auch jetzt ist, und es ist überflüssig, zu sagen: Es ist unsertwegen gezeugt worden und kehrt nach uns zurück, um zu sein, wie es war. Denn es war nicht, was es jetzt nicht ist, noch auch ist es jetzt, was es nicht war; vielmehr ist es, wie es immer war, und verhält sich immer auf die gleiche Weise, da es sonst unvollkommen und unveränderlich erscheinen würde. Denn wenn es das, was 357 es war, später sein wird, wie wenn es dies jetzt nicht wäre, so ist es jetzt offenbar nicht, was es war und sein wird. Ich sage aber: Wenn es früher in Gott war und auch hernach wieder in ihm sein wird, so ist offenbar jetzt das Wort nicht in Gott. Doch sie widerlegt der Herr mit den Worten: „Ich im Vater und der Vater in mir“. Denn es ist jetzt so, wie es immer war. Ist es aber jetzt so, wie es immer war, so wurde es offenbar nicht einmal gezeugt, einmal nicht, und nicht war einmal Ruhe in Gott, und ein andermal redete er; sondern er ist immer Vater, und sein Wort ist der Sohn und er ist nicht nur dem Namen nach Wort, noch auch das Wort nur in Gedanken Sohn, sondern es ist wesenseins mit dem Vater und ist nicht unsertwegen gezeugt worden; denn wir sind seinetwegen entstanden. Denn wenn es unsertwegen gezeugt worden wäre, und wir mit seiner Zeugung geschaffen worden wären, und wenn durch seine Geburt die Schöpfung sich gebildet hätte und es zurückkehrte, um zu sein, was es zuvor war, dann wird fürs erste der Gezeugte wieder nicht gezeugt sein. Denn wenn sein Hervorgehen eine Geburt ist, dann ist die Rückkehr wieder das Aufhören der Geburt. Denn wenn es in Gott ist, wird Gott wieder schweigen. Wenn er aber schweigen wird, dann wird sein, was war, da er schwieg, nämlich Ruhe und keine Schöpfung; die Schöpfung wird also wieder aufhören. Denn wie mit dem Hervortreten des Wortes die Schöpfung entstanden ist und existierte, so wird, wenn das Wort wieder zurückgeht, die Schöpfung nicht weiter bestehen. Wozu ist sie nun entstanden, wenn sie aufhören soll? Oder warum redete Gott, um darnach zu schweigen? Warum ließ er das Wort aus sich hervorgehen, wenn er es wieder zurückruft? Und warum zeugte er es, wenn er seiner Geburt wieder ein Ende machen wollte? Was aber wieder sein wird, ist ungewiß. Denn er wird entweder immer schweigen oder er wird wieder zeugen und eine andere Schöpfung ersinnen; denn er wird nicht dieselbe schaffen — sonst wäre nämlich die bereits entstandene geblieben —, sondern eine andere, der er aber folgerichtig auch ein Ende machen wird, um eine neue zu ersinnen und so fort ins Unendliche.