Denn wenn es überhaupt mit der Menschwerdung Sohn geworden ist, dann ist die Menschwerdung die Ursache. Wenn der Mensch verursacht, daß es Sohn ist oder beides, so werden wir, auf dieselben Ungereimtheiten stoßen. Dann wird er, wenn er zuerst Wort und später Sohn ist, offenbar den Vater erst später gekannt haben und nicht schon früher. Denn er kennt ihn nicht als Wort, sondern als Sohn. Denn: „Niemand kennt den Vater als der Sohn“. Ebenso wird auch das folgen, daß er später im Schoße des Vaters 371 gewesen ist, und Er und der Vater erst später Eins geworden sind, und daß erst später zutrifft: „Wer mich gesehen, hat den Vater gesehen“. Denn das alles ist vom Sohne gesagt worden. Damit werden sie sich genötigt sehen zu behaupten: Das Wort war nichts als ein bloßer Name. Denn es war weder unter uns mit dem Vater, noch sah, wer das Wort gesehen hat, den Vater, noch wurde überhaupt der Vater von jemand erkannt; durch den Sohn wird nämlich der Vater erkannt. So steht ja auch geschrieben: „Und dem der Sohn es offenbart“. Wenn aber das Wort noch nicht Sohn war, so erkannte noch niemand den Vater. Wie konnte er also Moses und den Vätern erscheinen? Denn er sagt selbst in den Büchern der Könige: „Ich habe mich geoffenbart und offenbarte mich allen euren Vätern“. Wenn aber Gott sich offenbarte, so war offenkundig der Offenbarende der Sohn, wie er selbst sagt: „Und dem der Sohn es offenbart“. Es ist also gottlos und unsinnig zu behaupten, ein anderer sei das Wort und ein anderer der Sohn. Man fragt aber mit Recht, woher sie denn diese ihre Anschauung geschöpft haben. Sie sagen nun, weil im Alten Testament nicht vom Sohne die Rede sei, wohl aber vom Worte, und deshalb behaupten sie, den Sohn für jünger zu halten als das Wort, weil nicht im Alten, sondern nur im Neuen Testament von ihm die Rede sei. So reden sie in gottloser Weise. Fürs erste ist nämlich die Trennung der Testamente, so daß also das eine nicht mehr mit dem andern zusammenhängt, das Verfahren der Manichäer und Juden, von denen die einen das Alte, die andern das Neue bekämpfen. Wenn ferner nach ihrer Ansicht der Inhalt des Alten Testamentes der Zeit nach vorausliegt, der des Neuen aber neueren Datums ist und nach den Schriften die Zeiten beurteilt werden, dann müssen die Worte: „Ich und der Vater sind Eins“, und: „Eingeborener“, und: „Wer mich gesehen, hat den Vater gesehen“ wieder jüngeren Ursprungs sein. Denn nicht aus dem Alten, sondern aus dem Neuen Testamente stammen diese Zeugnisse.