Nach diesen Beweisen also ist offenbar das Wort Sohn. Ist aber der Sohn das Licht, das in diese Welt gekommen ist, dann ist unbestreitbar durch den Sohn die Welt entstanden. Denn im Anfang des Evangeliums sagt der Evangelist über Johannes den Täufer: „Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugnis geben vom Lichte“. Denn wie wir vorhin gesagt haben, war Christus selbst „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt“. Denn wenn er in der Welt war und die Welt durch ihn entstand, dann muß er das Wort Gottes sein, von dem er auch gesagt hat, durch dasselbe sei alles entstanden. Denn entweder werden sie zwei Welten annehmen müssen, die eine entstanden durch den Sohn, die andere durch das Wort, oder, wenn es nur Eine Welt und eine Schöpfung gibt, so folgt daraus, daß Sohn und Wort vor aller Schöpfung ein und derselbe sind. Denn durch ihn ist sie entstanden. Wenn also wie durch das Wort, so auch durch den Sohn alles entstanden ist, dann wird es keinen Widerspruch geben, vielmehr besagt „Im Anfang war das Wort“ dasselbe wie: Im Anfang war der Sohn. Wenn sie aber deswegen, weil Johannes nicht gesagt hat: Im Anfang war der Sohn, sagen wollen, was dem Worte zukomme, passe nicht auf den Sohn, dann paßt 366 auch das, was dem Sohne zukommt, unmöglich auf das Wort. Es ist aber bewiesen, daß die Worte: „Ich und der Vater sind Eins“ vom Sohne stammen und Er es ist, „der im Schoße des Vaters ist“, und: „Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat“, sich auf ihn bezieht. Wenn es also heißt, durch ihn sei die Welt entstanden, so bezieht sich das in gleicher Weise auf das Wort wie auf den Sohn; hieraus erhellt, daß der Sohn vor der Welt ist. Denn notwendig ist der Schöpfer vor den entstehenden Dingen. Auch bezöge sich das Wort an Philippus nach ihrer Ansicht wohl nicht auf das Wort, sondern auf den Sohn. Denn, so heißt es hier, Jesus sprach: „Solange bin ich mit euch und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen, und wie sagst du: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht aus mir selbst. Und der Vater, der in mir wohnt, Er tut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist. Wenn nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und er wird noch größere tun als diese; denn ich gehe zum Vater. Und um was ihr immer in meinem Namen bitten werdet, das werde ich tun, damit der Vater in dem Sohne verherrlicht werde“. Wenn also der Vater im Sohne verherrlicht wird, so ist es wohl der Sohn, der spricht: „Ich im Vater und der Vater in mir“, und auch: „Wer mich gesehen, der hat den Vater gesehen“. Denn eben der, der so redet gibt sich als Sohn zu erkennen, wenn er hinzufügt: „Damit der Vater im Sohne verherrlicht werde“.