Wir wollen also unter “Christus” beides verstehen: das göttliche Wort mit dem Menschen aus Maria vereint in Maria. Denn in ihrem Mutterleibe bildete sich das Wort sein Haus in der Weise, wie im Anfang den Adam aus der Erde, oder vielmehr in einer erhabeneren Weise. Von ihm sagt auch Salomo, der offenbar weiß, daß das Wort auch Weisheit genannt werde: “Die Weisheit hat sich ein Haus gebaut”. Und auch der Apostel deutet auf dasselbe hin mit den Worten: “Dessen Haus wir sind”, und nennt es anderswo einen Tempel, weil es sich für Gott geziemt, in einem Tempel zu wohnen, von dem er auch ein Bild aus Stein für die Väter durch Salomo herstellen ließ. Deshalb ist das Bild, nachdem die Wahrheit erschienen war, verschwunden. Als nun die Unverständigen das Bild als Wahrheit darstellen, die wahre Wohnung aber, die wir in der Vereinigung wissen und erblicken, zerstören 384 wollten, da drohte er ihnen nicht, sondern, da er ihr vermessenes Vorgehen gegen sich selbst kannte, spricht er zu ihnen: “Zerstöret diesen Tempel und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen”, und unser Heiland gibt damit deutlich zu verstehen, daß die Werke der Menschen von selbst zerfallen. Denn “wenn der Herr das Haus nicht baut und die Stadt nicht bewacht, so bemühen sich die Bauleute vergebens und wachen die Wächter umsonst. Es wurden also die Zustände der Juden aufgehoben — denn Schatten waren sie —, die Sache der Kirche aber ist befestigt; denn sie ist auf den Felsen gegründet und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Aus dem Munde der Juden kamen die Worte:”Wie machst Du, da Du ein Mensch bist, Dich selbst zum Gotte?" Und ihr Jünger ist der Samosatener. Deshalb verkündet er natürlich seine Lehre den Seinigen. Doch wir haben Christus nicht so kennen gelernt, wenn anders wir ihn hörten und von ihm uns belehren ließen, indem wir den alten Menschen ablegten, der durch des Irrtums Lüste verderbt ist, und den neuen anzogen, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und Heiligkeit der Wahrheit. Man stelle sich also Christus in gottesfürchtiger Weise als beides vor.