Da aber einige Unwissende, die nicht zugeben, daß er Sohn ist, die Worte: „Aus dem Mutterleibe vor der Morgenröte habe ich Dich gezeugt“ gering achten, als ziemte sich dies für Maria nicht, und behaupten, daß er vor dem Morgenstern aus Maria gezeugt sei — denn es schicke sich doch nicht, bei Gott von einem Mutterleib zu reden —, so muß man hierüber einiges wenige sagen. Wenn nun der Mutterleib deshalb, weil er etwas Menschliches ist, mit Gott in keiner Beziehung steht, dann ist offenbar auch „Herz“ die Bezeichnung für etwas Menschliches. Denn wer ein Herz hat, hat folgerichtig auch einen Mutterleib. Da also beides zum Menschen gehört, so muß man entweder beides aufheben, oder man muß den Sinn von beidem erforschen. Denn wie aus dem Herzen das Wort, so kommt die Zeugung aus dem Mutterleib. Und wie wir, wenn wir von einem Herzen Gottes reden, es uns nicht menschlich vorstellen, so darf man auch, wenn die Schrift sagt: „aus dem Mutterleib“, diesen nicht als einen leiblichen sich vorstellen. Denn die göttliche Schrift pflegt in menschlicher Weise vorzubringen und zu bezeichnen, was über den Menschen hinausliegt, Darum sagt er ja, wo er von der Schöpfung redet: „Deine Hände haben mich gemacht und gebildet“, und: „Meine Hand machte das alles“, und: „Er befahl und sie wurden geschaffen“. Passend ist also seine Bezeichnung für das einzelne, wenn er vom Sohne die Eigenheit und Echtheit und von der Schöpfung den Anfang des Seins aussagt. Denn diese macht und schafft er, jenen aber zeugt er aus sich selbst als Wort und Weisheit. Denn Mutterleib und Herz weisen auf die Eigenheit und Echtheit hin. Denn auch wir haben die Echtheit aus dem 377 Mutterleibe, die Werke aber verrichten wir mit der Hand.