Auf die leichtsinnige und menschliche Ansicht der Arianer, in der sie den Herrn bedürftig wähnen, wenn er sagt: „Es ist mir gegeben worden“, und: „Ich empfing“, und wenn Paulus sagt: „Darum erhöhte er ihn“, und: „Er sitzt zur Rechten“ und ähnliches, muß man sagen, daß unser Herr als Wort und Sohn Gottes einen Leib trug und auch Menschensohn geworden ist, um, Mittler zwischen Gott und den Menschen geworden, Gottes Sache bei uns und die unsrige bei Gott zu vertreten. Wenn es nun von ihm heißt, daß er hungere und weine und müde werde und Eloi, Eloi rufe, was menschliche Äußerungen und unsere Leiden sind, so empfängt er dies von uns und bringt es dem Vater dar, indem er für uns eintritt, damit es in ihm getilgt werde. Wenn es aber heißt: „Es ist mir Macht gegeben“, und: „Ich empfing“, und: „Deshalb erhöhte ihn Gott“, so sind das die von Gott durch ihn an uns verteilten Gnadengeschenke. Denn nicht das Wort war bedürftig, noch ist es das jemals gewesen. Auch waren die Menschen wieder nicht fähig, sich dies zu beschaffen. Vielmehr wird uns durch das Wort gegeben. Deshalb wird uns gegeben, da es ihm gegeben wird. Denn darum 352 wurde er auch Mensch, damit das gleichsam ihm Geschenkte auf uns übergehe. Denn als bloßer Mensch wäre er dessen nicht gewürdigt worden; aber als bloßes Wort wäre er wieder dessen nicht bedürftig gewesen. Es verband also das Wort sich mit uns und gab uns damals Macht und erhöhte uns. Denn da das Wort im Menschen war, erhöhte es den Menschen und, da das Wort im Menschen war, empfing der Mensch. Da nun das Wort im Fleische war, wurde der Mensch erhöht und empfing Macht, und deshalb wird dies auf das Wort bezogen, da es seinetwegen gegeben wurde; denn diese Gnaden wurden wegen des Wortes im Menschen gegeben. Und wie das Wort Fleisch wurde, so hat auch der Mensch, was er empfing, durch das Wort empfangen. Denn von allem, was der Mensch empfangen hat, heißt es, das Wort habe es empfangen, damit offenbar würde, daß der Mensch, der seiner Natur nach nicht würdig war, zu empfangen, gleichwohl wegen des fleischgewordenen Wortes empfangen hat. Daher muß man, wenn es heißt, daß irgend etwas dem Herrn verliehen werde oder etwas Ähnliches, denken, es sei nicht ihm als einem Bedürftigen gegeben worden, sondern dem Menschen durch das Wort. Denn jeder, der für einen andern eintritt, empfängt selbst die Gabe, nicht weil er sie nötig hat, sondern um dessentwillen, für den er eintritt.