Das ist nun ungereimt. Daß aber der Sohn keinen Anfang des Seins hat, sondern immer auch vor seiner Menschwerdung bei dem Vater ist, zeigt Johannes, wenn er in seinem ersten Briefe also spricht: „Was von Anfang an war, was mir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und unsere Hände berührt haben, von dem Worte des Lebens; und das Leben hat sich geoffenbart und wir haben es gesehen und 375 geben Zeugnis davon und verkünden auch das ewige Leben, das beim Vater war und uns sichtbar erschienen ist“. Hier sagt er also, daß das Leben nicht entstanden ist, sondern beim Vater war; am Schluß des Briefes aber sagt er, der Sohn sei das Leben. Er schreibt nämlich: „Wir sind im wahren, in seinem Sohne Jesus Christus. Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben“. Wenn aber der Sohn das Leben ist und dieses beim Vater ist, und wenn der Sohn beim Vater war und wenn derselbe Johannes sagt: „Und das Wort war bei Gott“, so ist wohl der Sohn das Wort, das immer beim Vater ist. Wie aber der Sohn das Wort ist, so ist wohl auch Gott der Vater selbst. Der Sohn ist ja nach Johannes Gott nicht einfachhin, sondern wahrer Gott. Denn eben nach Johannes „war Gott das Wort“ und sagte der Sohn: „Ich bin das Leben“. Es ist also der Sohn das Wort und Leben, das beim Vater ist. Und wenn es wieder bei demselben Johannes heißt: „Der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist“, so beweist das, daß der Sohn immer ist. Den nämlich Johannes Sohn nennt, den besingt David als Hand in den Worten: „Warum ziehst Du Deine Hand zurück und Deine Rechte heraus aus dem Busen?. Ist nun die Hand im Busen und der Sohn im Busen, so ist wohl der Sohn die Hand und die Hand ist wohl der Sohn, durch den der Vater alles gemacht hat. Denn es heißt: “Deine Hand hat das alles gemacht„, und: “Mit seiner Hand hat er das Volk herausgeführt„, also durch den Sohn. Wenn es aber heißt: “Das ist die Veränderung der Rechten des Höchsten„, und wieder: “Zum Ende für die, welche umgewandelt werden sollen, Gesang für den Geliebten, dann ist also der Geliebte die umgewandelte 376 Hand, von dem auch die göttliche Stimme sagt: „Dieser ist mein geliebter Sohn“. „Dieses ist meine Hand“ ist also dasselbe wie: „Dieser ist mein Sohn“.