§ 1
Es ist ein und derselbe Vater, der denen, die nach seiner Gemeinschaft verlangen und im Gehorsam gegen ihn verharren, seine Güter bereitet hat, dem Urheber des Abfalls aber und seinen Mitschuldigen das ewige Feuer, in das nach den Worten des Herrn die zur Linken Abgesonderten geschickt werden. Das ist’s, was der Prophet sagte: „Ich bin Gott und der Eiferer, der Friede macht und Übles schafft“; für die Bußfertigen nämlich, und die sich zu ihm bekehren, macht er Frieden und Freundschaft und stiftet Einigkeit, für die aber, die sich nicht bekehren und sein Licht fliehen, bereitet er das ewige Feuer und die äußerste Finsternis — das sind jene Übel, in welche sie hineinfallen.
§ 2
468Wäre aber der Vater, welcher die Ruhe schenkt, ein anderer als der Gott, welcher das Feuer bereitet hat, dann müßten sie auch verschiedene Söhne haben, und einer schickt in das Reich des Vaters und der andere in das ewige Feuer. Doch ein und derselbe Herr hat gelehrt, daß im Gericht das ganze menschliche Geschlecht gesondert wird, wie „der Hirte die Schafe von den Böcken sondert“, und zu den einen wird er sagen: „Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, empfanget das Reich, das euch bereitet ist“, zu den anderen aber: „Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das mein Vater bereitet hat dem Teufel und seinen Engeln“. Also ist es offenkundig ein und derselbe Vater, der „Frieden macht und Übles schafft“, indem er jedem bereitet, was für ihn paßt, wie auch ein Richter beide an den gehörigen Ort sendet. Dasselbe hat auch der Herr in dem Gleichnis von dem Unkraut und dem Weizen kundgetan, wo er spricht: „Wie das Unkraut gesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch sein am Ende der Welt. Es wird senden der Sohn des Menschen seine Engel, und sie werden sammeln von seinem Reiche alle Ärgernisse und die, welche Unrecht tun, und er wird sie schicken in den Feuerofen, dort wird sein Weinen und Zähneknirschen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reiche ihres Vaters“. Der Vater also, der für die Gerechten das Reich bereitet hat, in welches sein Sohn die Würdigen aufnahm, der hat auch den Feuerofen bereitet, in welches die nach dem Befehle des Vaters von dem Menschensohn abgesandten Engel diejenigen stoßen werden, welche es verdienen.
§ 3
Er säte nämlich auf seinen Acker einen guten Samen aus. Der Acker aber ist nach seinen Worten die Welt. „Als aber die Menschen schliefen, kam der Feind und säte darüber Unkraut zwischen den Weizen und ging fort“. Seitdem nämlich er das Geschöpf Gottes 469benedeite, seitdem ist sein Engel abtrünnig geworden und sein Feind, und schickte sich an, auch dieses Gott zum Feinde zu machen. Deswegen hat auch Gott den, der heimlich aus eigenem Antrieb Unkraut säte, d. h. zur Übertretung verleitete, von seinem Umgang ausgeschlossen, über den Menschen aber, der ohne Überlegung, aber doch in Bosheit sein Gebot übertrat, sich erbarmt, und die Feindschaft, die jener gestiftet hatte, gegen den Urheber der Feindschaft selbst gekehrt, indem er seine Feindschaft gegen den Menschen aufgab und sie lediglich auf die Schlange zurückwarf. Deshalb sprach der Herr, wie die Schrift sagt, zu der Schlange: „Und Feindschaft werde ich setzen zwischen dir und der Schlange und zwischen deinem Samen und dem Samen des Weibes. Er wird deinen Kopf zertreten, und du wirst beobachten seine Ferse“. Und diese Feindschaft rekapitulierte der Herr in sich selbst, der von dem Weibe Mensch geworden war, und zertrat ihren Kopf, wie wir in dem vorigen Buche gezeigt haben.