§ 1
Hier wie dort also ist die strafende Gerechtigkeit Gottes dieselbe, dort vorbildlich, zeitlich, gemäßigter; hier eigentlich, ewig und strenger. Denn das ewige Feuer und der Zorn Gottes, der vom Himmel her sich offenbaren wird, von dem auch David sagt: „Das Angesicht des Herrn über denen, welche Böses tun, damit er von der Erde ihr Andenken vertilge“, bedeutet eine strengere Strafe für die, welche ihr verfallen. Wenn also einige nach den Strafen, welche die trafen, die Gott ehemals nicht gehorchten, einen anderen Vater einzuführen versuchen, indem sie entgegenhalten, wieviel andererseits der Herr bei seiner Ankunft getan hat, um diejenigen zu retten, welche ihn aufnahmen, da er sich ihrer erbarmte, so werden diese von den Priestern als unverständig erwiesen. Sie schweigen nämlich von seinem Gerichte und allem, was die treffen wird, welche seine Worte hörten und nicht taten, daß es ihnen besser wäre, wenn sie nicht geboren wären, und daß es erträglicher Sodoma und Gomorrha ergehen wird, als jener Stadt, welche die Worte seiner Schüler nicht aufnahm.
§ 2
Wie nämlich im Neuen Testamente der Gottesglaube der Menschen wuchs und als Zusatz den Sohn Gottes bekam, damit der Mensch Gottes teilhaftig werde, so wuchs auch die für den Wandel erforderliche Sorgfalt, indem wir nicht nur von bösen Werken uns enthalten sollen, sondern auch von solchen 416Gedanken, müßigen Reden, eitlen Gesprächen, schlüpfrigen Worten. Und eben so ist auch die Strafe derer gewachsen, die dem Worte Gottes nicht glauben, seine Ankunft verachten und sich rückwärts wenden. Aus der zeitlichen ist eine ewige Strafe geworden. Denn, zu denen Gott spricht: „Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer“, die werden auf immer verdammt sein, und zu denen er spricht: „Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, und empfanget die Erbschaft des Reiches, das euch für ewig bereitet ist“, die werden immer das Reich empfangen und zunehmen. Ein und derselbe Gott und sein Wort, wenn auch auf verschiedenen Wegen, standen immer dem menschlichen Geschlecht bei und wirkten vieles. Er rettete von Anfang an die, welche gerettet wurden, d. h. die, welche Gott lieben und nach Ihrer Art dem Worte Gottes folgen. Und er verurteilt die, welche verurteilt werden, d. h. die, welche Gott vergessen, ihn lästern und sein Wort übertreten.
§ 3
Denn die vorgenannten Häretiker haben sich selbst abgesondert, indem sie Gott anklagen, an den sie vorgeblich glauben. Was sie nämlich Gott vorwerfen, daß er damals die Ungläubigen zeitlich gestraft und die Ägypter geschlagen hat, die Gehorsamen aber rettete, das fällt geradeso auf den Herrn zurück, der auf ewig die Verurteilten verurteilt und auf ewig freiläßt, welche er freiläßt, und er wird sogar nach ihren Darlegungen als die Ursache der größten Sünde für die erscheinen, welche an ihn Hand anlegten und ihn durchbohrten. Wäre er nämlich nicht so gekommen, so wären freilich jene nicht die Mörder des Herrn geworden, und wenn er zu ihnen die Propheten nicht geschickt hätte, so hätten sie die Propheten nicht getötet, und ähnlich mit den Aposteln. Denen also, die uns vorhalten: Wären die Ägypter nicht geschlagen und auf der Verfolgung Israels im Meere ertränkt worden, so hätte Gott sein Volk nicht retten können, ist dies entgegen zu halten: Wären also die Juden nicht die Mörder des Herrn geworden, was sie das ewige Leben kostete, so hätten sie 417die Apostel nicht getötet und die Kirche nicht verfolgt, weswegen sie in die Tiefe des Zornes stürzten, und so hätten wir nicht gerettet werden können. Denn wie jene durch die Blindheit der Ägypter, so empfangen auch wir durch die Blindheit der Juden das Heil. Wenn nämlich der Tod des Herrn denjenigen, welche ihn ans Kreuz hefteten und an seine Ankunft nicht glaubten, zur Verdammnis gereicht, so dient er zur Rettung denen, die an ihn glauben. Denn auch der Apostel sagt im zweiten Briefe an die Korinther: „Christi Wohlgeruch sind wir für Gott sowohl unter denen, die gerettet werden, als auch unter denen, die verloren gehen; einigen also ein Geruch des Todes zum Tode, einigen aber ein Geruch des Lebens zum Leben“. Für wen also ist er ein Geruch des Todes zum Tode, wenn nicht für die, welche nicht glauben und dem Worte Gottes nicht gehorchen? Wer sind aber die, welche sich damals dem Tode überlieferten? Doch nur die, welche nicht glauben und Gott nicht gehorchen. Wer aber wiederum wurde gerettet and empfing die Erbschaft? Doch die, welche Gott glauben und die Liebe zu ihm bewahrten, wie Chaleb Jephone und Jesus Nave und die unschuldigen Knaben, welche vom Bösen nichts verstanden. Wer sind aber die, welche gerettet werden und das ewige Leben erhalten? Doch die, welche Gott lieben, seinen Verheißungen glauben und in Bezug auf das Böse kleine Kinder geworden sind.