§ 1
403So nämlich mußten die Söhne Abrahams, die ihm Gott aus den Steinen erweckt und geschaffen hat, ihm, dem Urheber und Verkündiger unseres Glaubens, beistehen. Er empfing auch den Bund der Beschneidung nach der Rechtfertigung, die in der Vorhaut des Glaubens gewesen war, damit in ihm beide Testamente im voraus abgebildet würden, und er der Vater aller würde, die dem Worte folgen und die Pilgerschaft auf dieser Erde aushalten sollten, d. h. der Gläubigen aus der Beschneidung und derer aus der Vorhaut. So ist auch „Christus der Haupteckstein“, der alles trägt und in dem Glauben Abrahams die sammelt, die aus beiden Testamenten zum Bau Gottes geeignet sind. Doch der Glauben in der Vorhaut ist zum ersten und letzten geworden, wie er ja auch das Ende mit dem Anfang verbindet. Vor der Beschneidung nämlich war er in Abraham und den anderen Gerechten, die Gott gefielen, wie wir gezeigt haben. Und wiederum ist er in den letzten Zeiten in dem Menschengeschlechte durch die Ankunft des Herrn aufgegangen. Die Beschneidung aber und das Zeremonialgesetz nahmen die mittleren Zeiten ein.
§ 2
Dies wird durch vieles andere als auch besonders durch Thamar, die Schwiegertochter des Judas, vorbildlich angezeigt. Denn als von ihren Zwillingen der eine zuerst die Hand vorstreckte und die Hebamme meinte, daß dies der Erstgeborene sei, band sie ihm ein rotes Zeichen um die Hand. Als aber dieser danach seine Hand zurückgezogen hatte, kam als erster sein Bruder Phares heraus und dann als zweiter der mit dem roten Zeichen, Zara. Wodurch die Schrift klar kundtut, dass das Volk mit dem roten Zeichen, d. h. der Glaube in der Vorhaut, sich zuerst in den Patriarchen gezeigt, und dann sich zurückgezogen habe, damit zuerst sein Bruder geboren werde. Darauf ist der erste an zweiter 404Stelle geboren und an dem roten Zeichen erkannt. Dieses bedeutet das Leiden des Gerechten. Es wurde im voraus dargestellt in Abel, beschrieben von den Propheten und vollzogen in den letzten Zeiten an dem Sohne Gottes.
§ 3
Es mußte aber einiges patriarchalisch von dem Patriarchen, anderes gesetzlich von den Propheten dargestellt werden, anderes wiederum mußte nach dem Bilde Christi abgebildet werden von denen, die an Kindesstatt angenommen waren. Alles aber offenbart sich in dem einen Gott. So stellte auch der eine Abraham in sich die beiden Testamente dar, in dem einen wurde gesät, in dem andern geerntet. „Denn darin“, heißt es,”ist das Wort wahr, daß ein anderes Volk sät, ein anderes erntet“. Aber derselbe Gott gewährt jedem, was ihm dienlich, „Samen dem Säenden, Brot zum Essen dem Erntenden“. Einer pflanzt, ein anderer begießt, einer aber gibt Wachstum, nämlich Gott. Das Wort von Christus säten aus die Patriarchen und Propheten, aber die Kirche erntete, d. h. sammelte die Frucht. Deshalb bitten auch jene, in ihr ein Zelt zu haben, wie Jeremias sagt: „Wer wird mir geben in der Wüste die letzte Wohnung?“ So sollen der Säende wie der Erntende zusammen sich freuen im Reiche Christi, der für alle da ist, denen Gott von Anfang an wohl wollte, indem er ihnen sein Wort zu Hilfe sandte.