§ 1
Aber er verhärtete, sagen jene, das Herz des Pharao und seiner Diener. Die dies einwenden, lesen nicht die Stelle im Evangelium, wo der Herr seinen Jüngern auf ihre Frage: „Warum sprichst du zu ihnen in Gleichnissen?“ antwortete: „Euch ist es gegeben, 418das Geheimnis des Himmelreiches zu erkennen. Zu jenen aber spreche ich in Gleichnissen, damit sie sehen und nicht sehen, hören und nicht hören, einsehen und nicht verstehen, damit gegen sie die Prophezeiung des Isaias erfüllt wird, die da sagt: Verhärte das Herz dieses Volkes und ihre Ohren verdunkele und ihre Augen verblende! Glücklich aber eure Augen, die sehen, was ihr sehet, und eure Ohren, die hören, was ihr höret“. Denn ein und derselbe Gott macht blind die, welche an ihn nicht glauben und ihn verleugnen, wie sein Geschöpf, die Sonne, die blendet, welche wegen irgend einer Schwäche der Augen ihr Licht nicht schauen können; denen aber, die ihm glauben und folgen, verleiht er eine vollere und höhere Erleuchtung des Verstandes. In diesem Sinne sagt auch der Apostel im zweiten Korintherbriefe; „Darin verblendete der Gott dieser Welt die Herzen der Ungläubigen, damit nicht leuchte die Erleuchtung des Evangeliums der Herrlichkeit Christi“, Und abermals im Briefe an die Römer: „Und wie sie die Erkenntnis Gottes verwarfen, überlieferte sie Gott in ihrem verwerflichen Sinn, zu tun, was sich nicht schickt“. Im zweiten Briefe an die Thessalonicher aber sagte er deutlich von dem Antichrist: „Und deshalb wird Gott ihnen schicken die Wirkung des Irrtums, damit sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, welche der Wahrheit nicht glaubten, sondern einwilligten in die Bosheit“.
§ 2
Da nun Gott alles vorausweiß, so überläßt er die, von denen er weiß, daß sie nicht glauben werden ihrem Unglauben, wendet sein Angesicht von solchen ab und läßt sie in der Finsternis zurück, die sie sich selbst erwählt haben. Was Wunder also, wenn er den Pharao, der ja niemals geglaubt hätte, samt seinem Anhang dem Unglauben preisgab? So spricht das Wort aus dem Dornbusche zu Moses: „Ich aber weiß, daß Pharao, der König von Ägypten, euch nicht wird 419fortziehen lassen, wenn nicht in meiner starken Hand“. Und geradeso wie der Herr in Gleichnissen redete und Israel verblendete, damit sie sehen sollten und nicht sehen, da er ihren Unglauben kannte, geradeso verhärtete er auch das Herz des Pharao, damit er sah, daß es der Finger Gottes ist, der das Volk herausführt, und doch nicht glaubte, sondern sich in das Meer des Unglaubens stürzte, weil er wähnte, daß ihr Auszug durch eine Zauberkraft geschähe, und daß das Rote Meer nicht infolge göttlicher Kraft dem Volk den Durchgang gewähre, sondern daß es so natürlich zugehe.