§ 1
Deshalb sagt auch Paulus, der Apostel der Heiden: „Mehr als sie alle habe ich gearbeitet“. Denn bei jenen war der Unterricht leicht, da sie die Beweise aus den Schriften hatten; und die auf Moses und die Propheten hörten, nahmen auch leicht den Erstgeborenem von den Toten und den Urheber des göttlichen Lebens auf, der durch die Ausstreckung der Hände die Amalekiter vernichtete und den Menschen von dem Biß der Schlange durch den Glauben an ihn lebendig machte. Die Heiden aber mußte der Apostel, wie wir im vorigen Buche gezeigt haben, zuerst anleiten, von dem Aberglauben des Götzendienstes abzustehen und den einen Gott als den Schöpfer des Himmels und der Erde und 402Urheber der gesamten Schöpfung zu verehren, und sie lehren, daß sein Sohn das Wort sei, durch welches er alles erschaffen hat, daß dieser in der letzten Zeit Mensch unter den Menschen geworden sei, das Menschengeschlecht erneut und den Feind des Menschen niedergeworfen und besiegt habe und seinem Geschöpfe den Sieg gegen seinen Widersacher geschenkt habe.
§ 2
Und wenn auch die aus der Beschneidung nicht nach dem Worte Gottes lebten, weil sie es verachteten, so waren sie doch im voraus unterrichtet, nicht ehezubrechen, nicht zu huren, nicht zu stehlen, nicht zu betrügen, und daß alles, was dem Nächsten zum Nachteil gereicht, böse ist und ein Abscheu vor Gott. Deswegen waren sie auch leicht zu bewegen, sich davon zu enthalten, da sie es ja so gelernt hatten.
§ 3
Die aus den Heiden aber mußten eben dies erst lernen, daß derartige Handlungen böse, verwerflich, unnütz, ja schädlich seien für die, welche sie begehen. Deshalb arbeitete mehr, der das Apostolat für die Heiden empfangen hatte, als die, welche in der Beschneidung den Sohn Gottes verkündeten. Diesen kamen die Schriften zu Hilfe, die der Herr bestätigt und erfüllt hat, indem er so kam, wie er verkündigt war. Jene aber erhielten den fremden Unterricht und die neue Lehre, daß ihre Götter nicht nur nicht Götter waren, sondern lediglich Götzenbilder; daß nur ein Gott existiert, der da ist „über alle Hoheit und Herrschaft und Macht und über jedem Namen, der genannt wird“; daß sein der Wesenheit nach unsichtbares Wort greifbar und sichtbar unter den Menschen geworden und „bis zum. Tode, zum Tode am Kreuze“ hinabgestiegen ist; daß die, welche an ihn glauben, unverweslich und leidensunfähig sein und das Himmelreich erhalten werden. Diese Wahrheiten wurden den Heiden mündlich ohne die Schriften vorgetragen; deswegen mußten die, welche unter den Heiden predigten, auch mehr arbeiten. Aber darum ist auch offenbar der Glaube der Heiden wieder wertvoller, weil sie das Wort Gottes ohne die Unterweisung der Schriften annahmen.