§ 1
Deswegen sprach der Herr zu seinen Jüngern: „Siehe, ich sage euch, erhebet eure Augen und sehet die Gegenden, daß sie weiß sind zur Ernte. Denn der Schnitter empfängt seinen Lohn und sammelt die Frucht zum ewigen Leben, damit Sämann und Schnitter zugleich sich freuen. Darin nämlich ist das Wort wahr, daß ein anderer sät, und ein anderer erntet. Ich sandte euch nämlich vor, zu ernten, was ihr nicht gearbeitet habt. Andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten“. Wer sind nun die Arbeiter, die den Anordnungen Gottes gedient haben? Offenbar die Patriarchen und Propheten, die unsern Glauben im voraus dargestellt haben und in die Erde hineinsäten, was und wie die Ankunft des Sohnes Gottes sein werde, damit die Menschen, die nach ihnen kommen würden, Gott fürchteten und, eingeführt von den Propheten, die Ankunft Christi leicht annähmen. Deshalb sagte der Engel im Schlafe zu Joseph, als dieser erkannt hatte, daß Maria schwanger war, und daran dachte, sie heimlich zu entlassen: „Fürchte dich nicht, zu dir zu nehmen Maria, dein Weib, denn was sie im Leibe hat, ist vom 400Heiligen Geiste. Sie wird aber einen Sohn gebären, und du wirst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird retten sein Volk von seinen Sünden“, Und ihm ratend fügte er hinzu: „Dies Ganze aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was gesagt ist von dem Herrn durch den Propheten, der da spricht: Siehe, die Jungfrau wird im Mutterleib empfangen und einen Sohn gebären, und sein Name wird genannt werden Emmanuel“. So beruft er sich auf die Propheten und entschuldigt Maria, indem er zeigt, daß sie jene sei, die von dem Propheten als die Jungfrau verheißen war, die den Emmanuel gebären sollte. So war ohne Zweifel Joseph überzeugt und nahm Maria zu sich und leistete in der gesamten Erziehung Christi freudigen Gehorsam, indem er die Reise nach Ägypten auf sich nahm und, von dort zurückgekehrt, nach Nazareth übersiedelte. Doch die die Schrift und die Verheißung Gottes und die Anordnung Christi nicht kannten, nannten ihn den Vater des Knaben. Deshalb las auch der Herr in Kapharnaum die Prophezeiungen des Isaias; „Der Geist des Herrn ist über mir, deswegen hat er mich gesalbt; zu verkünden den Armen, schickte er mich; zu heilen, die betrübten Herzens; zu verkünden den Gefangenen Verzeihung und den Blinden das Gesicht“. Dann zeigte er, daß in ihm diese Prophezeiung des Isaias erfüllt sei, indem er zu ihnen sprach: „Heute ist erfüllt diese Schrift in euren Ohren“.
§ 2
Als daher Philippus den Eunuchen der Königin von Äthiopien bei dem Lesen der Stelle fand: „Wie ein Schaf ist er zum Schlachten geführt, und wie ein Lamm stumm vor dem, der es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung ist weggenommen sein Gericht“ und alles, was der Prophet weiter über sein Leiden, über seine Ankunft im Fleische, über die Schmach, die ihm zugefügt wurde von denen, die nicht an ihn glaubten, berichtet hat, da bewog er ihn leicht 401zu glauben, daß Jesus Christus derjenige ist, der unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde und gelitten hat und was sonst der Prophet verkündigte, und daß er der Sohn Gottes ist, der den Menschen das ewige Leben gibt. Und sogleich, nachdem er ihn getauft hatte, verließ er ihn. Denn weiter fehlte dem nichts, der von den Propheten im voraus unterrichtet worden war. Gott Vater und seinen Umgang mit den Menschen kannte er, nur nicht die Ankunft des Sohnes Gottes; nachdem er diese in aller Kürze erfahren hatte, setzte er seinen Weg in Freuden fort als der künftige Herold der Ankunft Christi in Äthiopien. Deshalb gab sich Philippus mit ihm nicht große Mühe, da er von den Propheten in der Furcht Gottes erzogen war. Deswegen haben auch die Apostel, als sie die verlorenen Schafe aus dem Hause Israel sammelten, zu ihnen bloß von den Schriften gesprochen und ihnen gezeigt, daß der gekreuzigte Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes sei, und überzeugten eine große Menge, die ja schon die Furcht Gottes hatten, und an einem Tage wurden getauft dreitausend Menschen und dann vier- und fünftausend.