*1. (Der Papst) tadelt den Dorus wegen Störung in der Ordnung des Presbyteriums und die (der Reihe nach) ersten Priester, welche ihr Recht aufgaben.
2. Er vindicirt einem jeden die ihm gebührendeReihenfolge nach der Zeit der Ordination; die Ersten aber, welche gewichen waren, werden an die letzte Stelle verwiesen.*
Dem geliebtesten Bruder Dorus (sendet) Leo, Bischof (seinen Gruß). 162
1. Cap. Wir bedauern, dass die Meinung, welche wir von dir hegten, getäuscht worden ist, da wir erfahren, dass du Dinge begangen, welche jede kirchliche Regel durch strafwürdige Neuerung beflecken, und du doch sehr wohl wußtest, mit welcher Sorgfalt wir die Vorschriften der väterlichen Canones in allen Kirchen des Herrn beobachtet wissen wollen, und dass vorzüglich den Bischöfen aller Gemeinden daran gelegen sein müsse, dass die Regeln der heiligen Verordnungen durch keine Ausschreitungen verletzt werden. Daher wundern wir uns, dass du, dem es zukam, die Verordnungen des apostolischen Stuhles mit größter Genauigkeit zu erfüllen, so nachlässig oder vielmehr verwegen gehandelt, die dir gegebenen Gesetze nicht nur nicht zu überwachen, sondern zu übertreten. Denn aus der unten beigefügten Klageschrift deines Priesters Paulus erfuhren wir, dass bei dir durch neuen Ehrgeiz und schnöde Ränke die Ordnung des Presbyteriums verwirrt worden sei, so dass der Eine vorschnell und übereilt befördert wurde, Andere zurückgesetzt wurden, deren Auszeichnung das Alter empfahl und kein Vergehen schmälerte. Lag es auch in der Absicht des Ehrfüchtigen oder lauteten auch die Wünsche unwissender Gönner dahin, was niemals die Gewohnheit duldete, so war es Sache deines Bemühens und Belehrens, die ungerechten Wünsche der Bewerber durch einen vernünftigen Befehl zurückzuwerfen, damit nicht derjenige, welchen du vorschnell durch die priesterliche Würde befördertest, mit einer Kränkung seiner Gefährten beginne und an seiner 163 Größe verliere, da ihm nicht die Kraft der Demut, sondern das Laster des Hochmuts gestärkt wird. Es war dir ja nicht unbekannt, dass der Herr sagte, „dass, wer sich erniedrigt, erhöht werden, wer sich aber erhöht, erniedrigt werden wird,“ und dass derselbe sagte: „Ihr aber suchet von Kleinem aus zu wachsen und vom Größeren aus geringer zu sein.“ Denn beides ist ordnungswidrig, beides verkehrt; jede Frucht von Mühen wird hinweggenommen, alles Maß von Verdiensten wird ausgeleert, wenn jemand in eben dem Grade an Würde steigt, als er die Gabe der Speichelleckerei erhielt, so dass die Begierde hervorzuragen nicht nur den Hochmütigen verkleinert, sondern auch den, der zustimmt. Wenn jedoch, wie behauptet wird, der erste und zweite Priester dazu, dass Epicarpius ihnen vorgesetzt werden sollte, so sehr beistimmten, dass sie dessen Auszeichnung zu ihrer eigenen Schande begehrten, so durfte ihnen, die sich durch ihr eigenes Urteil herabsetzten, das nicht gewährt werden, was sie wollten, weil es deiner würdiger war, einem solchen elenden Willen zu widerstehen, als nachzugeben. Die häßliche und feige Unterwürfigkeit aber konnte denen, die ein gutes Gewissen haben und die Gnade Gottes nicht vereiteln, keinen Eintrag tun, so dass etwa die, welche ihren Vorrang durch irgend einen Handel auf einen Andern übertrugen, dadurch die Würde der ihnen Nachfolgenden schmälerten und, weil sie den Letzten sich vorgesetzt hatten, dieser den Übrigen vorangehe.
2. Cap. Die vorgenannten Priester also, welche sich 164 als ihres Ehrenranges unwürdig bekannten, sollen, obwohl sie des Priestertums entsetzt zu werden verdienten, dennoch, damit man ihrer nach der Milde des apostolischen Stuhles schone, als die Letzten unter allen Priestern der Kirche angesehen werden; sie werden, damit sie den Ausspruch ihres eigenen Urteils tragen, auch jenem nachstehen, welchen sie sich durch ihre eigene Erklärung vorgezogen haben; alle übrigen Priester bleiben in der Ordnung, welche einem jeden die Zeit seiner Ordinatiou zugewiesen. Niemand darf ausser den vorgenannten zwei eine ungerechte Schmälerung seiner Würde erleiden, sondern nur an dem Stande derjenigen soll diese Schande ausgehen, welche einem Neuling und vorzeitig Ordinierten nachstehen wollten, damit sie sehen, es treffe sie jener Ausspruch des Evangeliums, wo es heißt: „Mit welchem Urteile ihr richtet, mit dem wird auch über euch gerichtet werden, und mit welchem Maße ihr messet, mit dem wird euch wieder gemessen werden.“ Der Priester Paulus aber soll seinen Platz, von welchem er in lobenswerter Festigkeit nicht wich, behalten; es darf auch niemand mehr durch einen Übergriff ein Unrecht zugefügt werden, so dass deine Liebe, welche nicht unverdient die ganze Gehässigkeit dieser Tatsache trifft, sich wenigstens durch dieses Heilmittel zu bessern beeile, dass unsere Entscheidungen ohne Säumen ausgeführt werden, damit, wenn abermals eine gerechte Klage bei uns Hilfe sucht, wir nicht strenger vorgehen müssen; denn wir wollen dadurch, dass wir gut machen, was schlecht geschehen war, vielmehr die Disziplin wieder herstellen als Strafen aufhäufen. Du magst aber wissen, dass wir die Durchführung unserer Anordnungen unserem Bruder und Mitbischofe Julius übertrugen, damit unsere Bestimmungen sogleich in Kraft treten. Gegeben am 8. März unter dem Consulate des erlauchtesten Mannes Posthumianus. 165