Hilarus, mit den übrigen Legaten von Leo beauftragt, auch der Kaiserin Pulcheria dessen (30.) Schreiben nach Constantinopel zu überbringen, glaubte sich wegen der Nichterfüllung seiner Sendung bei derselben rechtfertigen 268 zu müssen und sandte deshalb zugleich mit obigem des Papstes das hier folgende Schreiben mit. Die Ballerini vermuten ans guten Gründen, dass der uns vorliegende lateinische Text nicht das Original, sondern eine Rückübersetzung aus dem Griechischen sei.
*1. Dass es ihm wegen der bösen Anschläge des Dioskorus nicht möglich gewesen, sich zu ihr zu begeben und das Schreiben des heiligen Leo zu überbringen.
2. Dass er den Nachstellungen des Dioskorus entflohen und nach Rom gekommen sei, und dass die ephesinische Pseudosynode von Leo verworfen werde.*
Der gütigsten und gottesfürchtigstenKaiserin Pulcheria (sendet) der Diakon Hilarus (seinen Gruß).
1. Cap. Dass ich bemüht war, nach der Synode nach Constantinopel zu kommen, brauche ich nicht zu sagen, da es eine offenbare Notwendigkeit war, welche mich nötigte, das an euere Milde gerichtete Schreiben des seligsten Papstes zu überbringen, um in gleicher Weise sowohl euerer Frömmigkeit wie auch dem unbesiegbaren und christlichsten Kaiser die schuldige Pflicht der Ehrerbietung zu bezeigen. 269 Allein diesem meinem Vorhaben stellte sich das Hindernis entgegen, das der Feind alles Guten ist, und worüber, alle Christen klagen, nämlich der Bischof von Alexandrien, der in der Verurteilung schuldloser Männer allmächtige. Denn da ich an seinem ungerechten Willen und Spruche nicht teilnehmen konnte, suchte er mich durch Gewalt und List einer anderen Zusammenkunft zu ziehen, um mich zu verleiten, der Verurteilung des heiligsten Bischofs Flavianus, was fern sei, meine Zustimmung zu geben, oder mich, wenn ich Widerstand leistete, festzuhalten, dass ich weder nach Constantinopel zu euerer Frömmigkeit kommen noch zur römischen Kirche hätte zurückkehren können.
2. Cap. Allein im Vertrauen auf die Hilfe Christi, unseres Gottes, habe ich mich von der Verurteilung des hochwürdigsten und heiligsten Mannes rein bewahrt; obwohl mich keine Geißel, keine Qual hätten bewegen können, diesem Ausspruche beizustimmen, ließ ich alles zurück und ergriff die Flucht, kam durch unbekannte und unwegsame Ggenden nach Rom und ward bei dem hochwürdigsten 270 Papste ein geeigneter Berichterstatter alles dessen, was in Ephesus geschah. Euere verehrungswürdige Milde mag demnach erfahren, dass von dem genannten Papste im Verein mit dem ganzen abendländischen Concil alles verworfen wurde, was in Ephesus gegen die Canones durch Aufruhr und weltlichen Hass von dem Bischofe Dioskorus verübt worden, und dass auf keine Weise in diesen Teilen das angenommen werden könne, was durch die Gewalt des Vorgenannten, nicht ohne Verletzung des Glaubens und zum Nachteile des heiligsten und schuldlosen Mannes begangen wurde. Was aber mit standhafter und tapferer Autorität für den Glauben von mir vorgebracht worden, erachte ich für überflüssig zu erzählen, denn dies werdet ihr aus dem Schreiben des seligsten Papstes ersehen können. Deshalb, herrlichste Frau und mildeste Kaiserin, darf euere verehrungswürdige Frömmigkeit das, worin sie begonnen, nicht aufgeben, sondern soll dasselbe im gottesfürchtigen Eifer für den reinen Glauben mit Standhaftigkeit bewahren. 271